Manchester United : Louis van Gaal jagt Europas Giganten

In seiner zweiten Saison als Trainer von Manchester United geht es für Louis van Gaal nur um eines: Titel. Neuzugang Bastian Schweinsteiger kommt dabei eine besondere Rolle zu.

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Wir müssen reden. Trainer Louis van Gaal (l.) will, dass Bastian Schweinsteiger den jungen Spielern bei Manchester United als Ratgeber und Führungsfigur zur Seite steht.
Wir müssen reden. Trainer Louis van Gaal (l.) will, dass Bastian Schweinsteiger den jungen Spielern bei Manchester United als...Foto: dpa/Tsoi

Louis van Gaal besitzt in Portugal ein paradiesisches Anwesen. So lässt es sich für ihn leichter an Abschied denken. Der niederländische Trainer löste Anfang vergangener Woche einen medialen Sturm aus, als er andeutete, er würde nach dem Ende seines aktuellen Vertrags mit United seine Karriere beenden. Seiner Frau habe er einst versprochen, mit 55 aufzuhören, in zwei Wochen werde er nun schon 64, erzählte er britischen Reportern. Da werde es langsam Zeit. Und so konnte es im Königreich nur eine Schlagzeile geben: van Gaal hört 2017 auf!

Dass er seinen Abschied andeutet, sagt viel über van Gaals Plan mit dem englischen Rekordmeister. Es ist ein Plan, dessen zweite Phase nur eines vorsieht: Erfolg.

Das erste Jahr war anders. Da hatte van Gaal nur die Aufgabe, nach der demütigenden Ära von David Moyes den Red Devils ihre Arroganz zurückzugeben. Das ist ihm gelungen – und nicht nur, weil der Trainer seinen Klub immerhin auf Platz vier und damit in die Qualifikation zur Champions League geführt hat. In der verrückten Welt der Premier League war es für van Gaal genauso wichtig zu zeigen, dass er Spieler wie Angel Di Maria und Radamel Falcao nach Old Trafford bringen kann.

Die zurückgewonnene Arroganz gab van Gaal Zeit, für seine zweite Phase zu planen. Zwar gab es auch im ersten Jahr langfristige Investitionen in junge Spieler wie Daley Blind und Ander Herrera. Doch erst jetzt in seinem zweiten Sommer baut er ein Team, das wirklich als sein eigenes durchgeht.

Mit Schweinsteiger kehrt die Balance zwischen Erfahrung und Potenzial zurück

Die Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger ist das beste Beispiel. Herrera wurde verpflichtet, um United die langersehnte Stabilität im defensiven Mittelfeld zu verleihen. Eigentlich konnte der auf höchstem Niveau unerfahrene Spanier trotz einer guten ersten Saison das nicht alleine schaffen. Mit Schweinsteiger kehrt die Balance zwischen Erfahrung und Potenzial zurück. Herrera wird jetzt die Freiheit haben, zum unbestrittenen Führungsspieler zu reifen.

Der Schweinsteiger-Effekt soll nicht nur auf Herrera Einfluss haben, sondern auf die ganze Mannschaft. Zu oft schien United in der letzten Saison eine begabte, aber chaotische Truppe von eifrigen Jungen zu sein. Der Mann, den van Gaal bei Bayern zum Leader gemacht hat, soll jetzt Uniteds Reifeprozess vorantreiben. Allerdings blieb Schweinsteiger in den jüngsten Testspielen noch Vieles schuldig.

Nach eigenem Bekunden fehlt van Gaal noch die Kreativität eines Eden Hazard, eines Sergio Agüero oder eines Lionel Messi. Das, sagt van Gaal, macht sein Team einen Tick schwächer als Europas Giganten. Memphis Depay, vom PSV Eindhoven für 35 Millionen Euro verpflichtet, soll die Lösung sein. Der 21-Jährige braucht aber wie Herrera Zeit. Deswegen jagt van Gaal jetzt Barcelonas Pedro. So könnte Depay sich in seinem ersten Jahr im Schatten eines erfahrenen Außenstürmers entwickeln.

Zwar würde die Verpflichtung von Pedro heißen, dass United in diesem Sommer fast genauso viel Geld ausgegeben hat wie im letzten. Aber egal: Van Gaal verfügt bei United ohnehin über einen Blankoscheck zum Einkaufen. Die Transferpolitik vor der Saison 2015/16 ist auch gezielter. Sie basiert darauf, eine Fußballmannschaft aufzubauen. Vor einem Jahr ging es hauptsächlich darum, Uniteds finanzielle Macht darzustellen.

Falcao und Di Maria müssen Manchester schon wieder verlassen

Nirgendwo wurde das deutlicher als am Beispiel von Di Maria und Falcao. Die beiden galten im letzten Sommer als die zwei großen Transfercoups. Im letzten Monat wurde Falcao aber an den Ligarivalen Chelsea abgegeben, während Di Maria vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain steht. Als Ablösesumme sind 63 Millionen Euro im Gespräch.

Der Argentinier kam vor zwölf Monaten für die britische Rekordablöse von 75 Millionen Euro aus Madrid nach Manchester, passte aber eigentlich nie zum Van-Gaal-System bei United. Dementsprechend scheiterte er. Der von vielen Klubs umworbene Di Maria wurde einfach als lebender Beweis für Uniteds finanzielle Potenz benutzt.

Nur in einer Position hat van Gaal seine Mannschaft noch nicht verstärkt. Trotz der Abgänge von Robin van Persie zu Fenerbahce Istanbul und Falcao wurde noch kein neuer Mittelstürmer gekauft. Aber da bleibt van Gaal dickköpfig, wie nur er es bleiben kann. „Ihr habt doch gesagt, dass ich einen Mittelstürmer kaufe, ich nicht“, züchtigte er die Journalisten vor ein paar Wochen.

Er will das Risiko eingehen, ohne eine gelernte Nummer neun zu spielen, weil er seinem neuen Team zutraut, in der aktuellen Konstellation Titel zu gewinnen. Und um nichts anderes geht es in dieser Spielzeit.

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