Manfred von Richthofen : "München 2018 muss Zuschuss erhalten"

Manfred von Richthofen über die Olympiabewerbung von München, Aussichten und welche Folgen ein Scheitern hätte.

Manfred von Richthofen, 76, war ab 1994 Präsident des Deutschen Sportbundes, der 2006 mit dem NOK zum Deutschen Olympischen Sportbund fusionierte. Als Aufsichtsrat begleitete er die Berliner und Leipziger Olympiabewerbung.
Manfred von Richthofen, 76, war ab 1994 Präsident des Deutschen Sportbundes, der 2006 mit dem NOK zum Deutschen Olympischen...Foto: picture-alliance/ dpa

Herr von Richthofen, bei der Olympiabewerbung Münchens herrscht eine hohe personelle Fluktuation in der Geschäftsführung der Olympiagesellschaft, die Zustimmung aus der Bevölkerung lässt zu wünschen übrig und es formiert sich eine immer stärkere Gegenbewegung. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?

Ja, das kommt mir sogar sehr bekannt vor, weil ich sowohl im Aufsichtsrat der Berlin-Bewerbung als auch in jenem der Leipzig-Bewerbung einen Sitz hatte. Beide Bewerbungen hinterließen bei mir überwiegend negative Eindrücke.

Welche Aussichten auf eine erfolgreiche Olympiabewerbung hat München noch?

Da sich für die Winterspiele nur drei Austragungsorte bewerben, sind die Aussichten immer noch beachtlich – auch wenn der südkoreanische Bewerber Pyeongchang derzeit vorne liegt. Die Südkoreaner haben keine finanziellen Probleme – hatten südkoreanische Bewerber im Übrigen noch nie.

Bewerbungschef Willy Bogner forderte zuletzt öffentliche Mittel ein – auch weil er bislang nicht imstande war, genügend Sponsorengelder aufzutreiben. Ist das Projekt ohne staatliche Zuschüsse bereits jetzt zum Scheitern verurteilt?

Sollte die Bewerbungsgesellschaft München nicht ausreichend Sponsorengelder akquirieren können, muss es aus meiner Sicht staatliche Zuschüsse geben. In der jetzigen finanzpolitischen Situation des Bundes und der Länder wird dies jedoch ein komplizierter Hürdenlauf.

Welche Folgen hätte ein erneutes Scheitern einer deutschen Olympiabewerbung?

Sollte ein deutscher Bewerber zum dritten Mal in Folge durchfallen, wäre das auf jeden Fall ein Grund für eine fundierte Fehleranalyse.

War es ein Fehler, einen sportpolitischen Novizen wie Bogner zum Hauptgeschäftsführer der Bewerbung zu machen?

Jede Bewerbung benötigt einen namhaften Repräsentanten. Die Geschäftsführung in München konnte einen solchen leider nicht vorweisen. So griff man auf Bogner zurück.

Setzt München mit der Betonung auf die ökonomische Nachhaltigkeit der Spiele auf das richtige Thema?

Die Münchner Bewerber wollten mit diesem Thema einen Akzent setzen. Und sich für die ökonomische Nachhaltigkeit solcher Spiele einzusetzen, ist auch eine vernünftige Idee. Ob das beim IOC allerdings Eindruck hinterlässt, ist eine andere Frage.

Ist es, was die Finanzierung betrifft, grundsätzlich schwieriger, sich für Olympische Winterspiele zu bewerben als für Olympische Sommerspiele?

Sommerspiele haben grundsätzlich eine größere Bedeutung – von daher glaube ich, dass eine Finanzierung der Sommerspiele leichter zu erwirken ist. Doch all dies ist vor dem Hintergrund der jetzigen Haushaltslage des Bundes, der Länder und auch der großen Konzerne zu betrachten. Das macht das Unterfangen wesentlich schwieriger als noch vor einigen Jahren.

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, sprach sich im vergangenen Jahr für eine erneute Olympiabewerbung Berlins aus. Was halten Sie davon?

Diese Idee bleibt immer faszinierend. Der Deutsche Olympische Sportbund unter der Leitung von Thomas Bach hat sich zuletzt dennoch dagegen entschieden. Jetzt bleibt erst einmal abzuwarten, wie die Entscheidung des IOC über den Austragungsort der Winterspiele ausfällt. Erst dann sind ernsthafte Überlegungen in diese Richtung anzustellen. Wenn bereits jetzt Stimmen diesbezüglich laut werden, ist dies der aktuellen Bewerbung nicht förderlich.

Das Gespräch führte Martin Einsiedler.

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