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Manipulation beim Testspiel : Fehlentscheidungen und hohe Wetteinsätze bei Wehen gegen Gladbach

Zwei Elfmeter, die keine waren und hohe Wetteinsätze in Asien: Das Testspiel zwischen Drittligist Wehen Wiesbaden und der U23 von Borussia Mönchengladbach steht unter Manipulationsverdacht.

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Schwerer Fall? Merkwürdige Entscheidungen gab es beim Testspiel von Wehen Wiesbaden in der Türkei.
Schwerer Fall? Merkwürdige Entscheidungen gab es beim Testspiel von Wehen Wiesbaden in der Türkei.Foto: Imago/Schulz

Nach allem, was die Augenzeugen berichteten, kam das Unheil am vergangenen Samstag beim Testspiel im türkischen Side zwischen dem SV Wehen Wiesbaden und Borussia Mönchengladbach II im wortwörtlichen Sinne aus heiterem Himmel.

Beim Stand von 1:0 für die zweite Mannschaft des Bundesligisten gab es in der 40. Minute einen Querschläger im Strafraum der Gladbacher. Der Ball flog hoch über die Köpfe der Spieler, und als ihn die Schwerkraft wieder auf den Platz tropfen ließ, ertönte ein Pfiff des türkischen Schiedsrichters Ali Can Soudal. Dabei war kein Verteidigerbein oder gar die Hand eines Gladbacher Spielers in der Nähe des Balles. Soudal aber gab einen Strafstoß für den Drittligisten aus Wiesbaden, den Kevin Schindler verwandelte. Nicht nur Gladbachs Vizepräsident Rainer Bonhof soll sich verwundert die Augen gerieben haben. Doch es kam noch schlimmer: Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit rollte der Ball nach einer Hereingabe ins Leere. Aus für Beobachter unersichtlichen Gründen blies Soudal in seine Pfeife und entschied erneut auf Elfmeter für den SV Wehen Wiesbaden.

Fehlentscheidungen gehören zum Fußball dazu. Deswegen dachte zunächst Wiesbadens Pressesprecher Daniel Mucha noch nicht an eine Spielmanipulation. „Die Leistungen der Schiedsrichter in Testspielen im südeuropäischen Raum sind nicht zu vergleichen mit denen in Deutschland“, sagt Mucha dem Tagesspiegel. „Deshalb sind wir zunächst nicht von Spielmanipulation ausgegangen.“
Doch wenn bei einer Partie eines Drittligisten gegen einen Viertligisten exorbitant hohe Wetteinsätze auf dem asiatischen Markt zu verzeichnen sind und zudem der Schiedsrichter „Geschenke verteilt“, wie Wehens Trainer Sven Demandt nach dem Spiel sagte, ist ziemlich sicher etwas faul.

Der Schiedsrichter hatte eine Registrationsnummer

Das fiel dann auch Sportradar auf. Das Schweizer Unternehmen überwacht im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) auch Partien mit deutschen Vereinen. Sportradar meldete die Aktivitäten in Asien rund um das Spiel zwischen Wehen Wiesbaden und Borussia Mönchengladbach II dem DFB. Konkretes – etwa wie hoch die Einsätze waren oder auf was gewettet wurde – teilte die Agentur mit Verweis auf Vertraulichkeitsklauseln nicht mit. Dem Tagesspiegel liegen unterschiedliche Informationen vor, worauf die meisten Wetten abgeben wurden. Ein Insider berichtete, dass vor allem darauf gesetzt wurde, dass in dem Spiel mindestens vier Tore fallen würden. Ein anderer gab an, dass auf ein Ergebnis mit insgesamt exakt vier Toren die höchsten Einsätze abgegeben wurden. Mit seinen Entscheidungen jedenfalls trug Schiedsrichter Soudal wesentlich zum 3:1-Endstand für Wiesbaden bei.

Der SV Wehen Wiesbaden ließ die Begegnung über die türkische Agentur Bluebird organisieren. Schiedsrichter Soudal habe eine Registrationsnummer gehabt, alles habe sauber ausgesehen, sagt Mucha. Nach Informationen des Tagesspiegels ist das Spiel definitiv manipuliert worden. In der Szene verwundert dies kaum jemanden. „Leider decken wir immer wieder und zunehmend manipulierte Freundschaftsspiele in der Winter- und Sommerpause auf. Das heißt jetzt explizit nicht, dass es sich dabei um Spiele mit deutscher Beteiligung handelt“, sagt Andreas Krannich, Mitglied der Geschäftsführung von Sportradar. „Die entsprechenden Mannschaften sind zumeist ahnungslos und nicht beteiligt“, sagt Krannich.

Schon vor vier Jahren hatte im von Side wenige Kilometer entfernten Belek ein Testspiel zwischen Werder Bremen und dem AZ Alkmaar für Aufsehen gesorgt, als der Schiedsrichter zehn Minuten nachspielen ließ, um auf ein bestimmtes Ergebnis hinzuarbeiten. Anschließend stellte sich heraus, dass der Referee keine Lizenz hatte.

Für den ohnehin skandalumtosten türkischen Fußball, mehr noch aber für die Türkei als Trainingslager–Ziel, ist dies ein harter Schlag. Gerade Belek ist zur deutschen Fußball-Dependance geworden. Aktuell befinden sich sieben Bundesligaklubs, unter anderem Hertha BSC, sowie diverse Zwei- und Drittligisten an der türkischen Riviera. Vorfälle wie in Side könnte die Wahl nach einem Wintertrainingslager bei so manchem Fußball-Bundesligisten künftig anders ausfallen lassen.