Manipulation : Vertuschen und schweigen im Handball

Wie Europas Verband mit Manipulation umgeht. "Ernsthafter Aufklärungswillen" wird von einigen Experten bezweifelt.

Erik Eggers

Hamburg Die Geschichte liegt ein paar Jahre zurück: Zwei deutsche Schiedsrichter fuhren zu einem Champions-League- Spiel der Frauen. Vor Anpfiff wurden sie von einem Vertreter des gastgebenden Klubs angesprochen. 10 000 Dollar würden sie erhalten, sollte das Gastgeber- Team gewinnen. Die beiden lehnten ab, sie meldeten diesen Vorfall dem Deutschen Handballbund (DHB) sowie dem Champions-League-Ausrichter, der Europäischen Handball-Föderation (EHF).

Wie in einem solchen Fall normalerweise verfahren wird, sagt Markus Glaser, der bei der EHF die Abteilung Spieltechnik leitet. Ein Disziplinar-Management würde alle beteiligten Parteien befragen, „man muss einen solchen Fall exakt aufarbeiten und herausfinden, was passiert ist.“ Daraus wäre zu schlussfolgern, dass die EHF auch die aktuelle Krise gut im Griff hat, in die der Handball mit dem vermeintlichen Bestechungsskandal rund um den THW Kiel gestürzt ist. Zweifel sind aber angebracht, denn auf den Bericht der deutschen Schiedsrichter von damals angesprochen, sagt Glaser: „Meiner Meinung nach ist so etwas noch nicht vorgekommen“. Die EHF will offenbar über solche Bestechungsversuche nicht öffentlich reden. Manfred Prause, der zwischen 1991 und 2000 für die EHF als Ansetzer der Schiedsrichterkommission wirkte, sagt: „Der Schutz der Sportart hat zunächst Vorrang, man versucht eine betriebsinterne Regelung.“

Das beispielhafte Spiel ist der Redaktion bekannt. Es wird hier nicht genannt, um die Schiedsrichter zu schützen: Sie würden sonst nie wieder international pfeifen. „Wir dürfen derzeit keine Interviews geben“, sagt einer von ihnen. Ein deutscher Schiedsrichterfunktionär sagt: „DHB-Präsident Strombach hat uns verboten, Interviews zu geben.“ Das dementiert DHB-Pressesprecher Charly Hühnergarth. Der DHB wolle, dass die Schiedsrichter mit einer Stimme sprächen. Doch diese Stimme, DHB-Schiedsrichterwart Peter Rauchfuß, ist still.

Das Verhalten der Funktionäre im aktuellen Fall THW Kiel zeugte „nicht von ernsthaftem Aufklärungswillen“, hat der Münchner Sportrechtler Thomas Summerer dem „Flensburger Tageblatt“ gesagt. Die EHF, die zunächst staatsanwaltliche Ermittlungen abwarten wollte, reagierte erst nach neun Tagen und setzte mit dem Slowaken Jozef Ambrus einen ehemaligen EHF-Schiedsrichterfunktionär auf den Fall an. Erik Eggers

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