Sport : Mann der Maßstäbe

-

Michael Rosentritt erklärt, warum Hertha noch lange an Meyer denken wird

Seitdem Hans Meyer Trainer von Hertha BSC ist, hat er nur das gesagt, wovon er überzeugt ist. Er hat gesagt, dass der Abstiegskampf bis zum letzten Saisonspiel dauern wird. Und dass er zehn Minuten nach diesem letzten Spiel die Reise zu seinem Haus in Bad Hersfeld antreten wird – egal, ob Hertha in der Ersten Liga bleibt oder nicht. So viel Realismus war zuletzt selten in Berlin.

Die Fehler der Berliner Transferpolitik konnte auch Meyer nicht mehr rückgängig machen, wohl aber ihre fatalen Folgen ein wenig lindern. Ohne Rücksicht auf Ansehen, Namen und Verdienste stellt der Trainer seine Mannschaft auf. Einziges Kriterium ist die Leistung. Die als Stars eingekauften Fredi Bobic und Niko Kovac etwa, die schon in der Hinrunde floppten, wurden von Meyer mehr oder minder aussortiert. Herthas Weltmeister, der Brasilianer Luizao, durfte Berlin ganz verlassen. Hans Meyer war es auch, der Torwart Christian Fiedler wieder zur Nummer eins machte und an ihm festhielt, als der frühere Stammspieler Gabor Kiraly nicht mehr verletzt war. Zudem schenkte der 61-jährige Trainer den Nachwuchsspielern Malik Fathi, Sofian Chahed und Dennis Cagara Vertrauen. Sie sind nicht schuld daran, dass Hertha immer noch auf einem Abstiegsplatz steht. Diese Spieler werden in der kommenden Saison den Stamm bilden – ganz gleich, in welcher Liga Hertha spielt.

Hans Meyer hat sich stets seine Unabhängigkeit bewahrt. Auch in seiner jüngsten Entscheidung, dem Verein nach Saisonende nicht mehr als Trainer zur Verfügung zu stehen, bleibt er souverän und vor allem glaubwürdig. Damit hat Hans Meyer bei Hertha neue Maßstäbe gesetzt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben