Sport : Mann mit Substanz

Neu ist die Nachricht nicht, dass im Radsport gedopt wird auf Teufel komm raus. Neu ist allerdings, dass ein Radsport-Profi, ein Könner zudem, den Betrug offen zugibt. Im Prozess gegen den Sportmediziner Michele Ferrari hat Filippo Simeoni, immerhin Etappensieger bei der Vuelta, der Spanien-Rundfahrt, eingestanden, jahrelang mit Epo und Wachstumshormonen das eigene Leistungsvermögen aufgepeppt zu haben. Versorgt worden sei er von dem Mediziner, der nun wahrscheinlich wegen Sportbetrugs verurteilt werden wird.

Es ist nur so, dass Simeoni nie aufgefallen ist, allen Doping-Kontrollen entkam er als sauberer, allenfalls leidensfähiger Naturbursche. Wofür allerdings auch Ferrari verantwortlich zeichnete - mit verschleiernden Präparaten. Und was nun? Was ist jetzt mit den Kontrollen? Welchen tatsächlichen Aussagewert haben sie noch? Wohl eher keinen.

Die Vermutung, die Praxis von Simeoni und seinem Doktor sei einzigartig, wäre wohl ein wenig naiv. Ferrari betreut auch den dreimaligen Tour de France-Sieger Lance Armstrong. Der Amerikaner fährt nach überstandener Krebserkrankung die weltweite Konkurrenz in Grund und Boden - und wird seitdem argwöhnisch beäugt. Aufgefallen ist er gleichwohl nie. Das sagt nichts aus, gar nichts, auch nicht, ob der fulminante Texaner, wie stets beteuert, wirklich ein hehrer Sportsmann ist.

Es ist noch nicht raus, welche Lawinenwirkung das freizügige Geständnis haben wird auf die von Ferrari betreuten Fahrer. Auch nicht, welche Rückschlüsse zu ziehen sind auf die Leistungsfähigkeit aller anderen Fahrer der Weltspitze, zum Beispiel auch die des Bonner Team Telekom. Könnte ja sein, dass der Mediziner nun seinerseits auspackt. Ganz sicher aber ist, dass die im Dopingtest analytisch nachgewiesene Sauberkeit keine zu sein braucht. Was aber schon eine ganze Menge ist. Italiens Gazetten sprachen von einem historischen Durchbruch im Kampf gegen das Doping. Wenn es das war, dann kann der Radsport Filippo Simeoni nicht genug danken.

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