Mannheim verpflichtet Hans Zach : Das Feuer lodert noch

Als er 2010 die Hannover Scorpions verließ, wollte der frühere Bundestrainer Hans Zach eigentlich keine Klubmannschaft mehr trainieren. Jetzt versucht er die Mannheimer wieder nach oben zu führen.

Reinhard Sogl
Hans Zach ist zurück auf dem Eis. Mit seiner impulsiven Art soll er die Mannheimer Adler wieder nach oben führen
Hans Zach ist zurück auf dem Eis. Mit seiner impulsiven Art soll er die Mannheimer Adler wieder nach oben führenFoto: dpa

Es ist dann doch alles reibungslos verlaufen bei seiner viel beachteten Rückkehr aus dem Vorruhestand. „Ich habe den Spielern gesagt: Bleibt’s nah bei mir, dass ich mich net blamier, aber es ist Gott sei Dank gut gegangen“, sagte Hans Zach mit einem Anflug von Verschmitztheit in seinem markanten und nicht gerade von Lachfalten geprägten Gesicht. Nach fast vier Jahren Abstinenz hatte sich der am Neujahrstag von den Mannheimer Adlern bis zum Saisonende verpflichtete Eishockeytrainer am Donnerstag erstmals wieder aufs glatte Eis begeben; vor rund 600 Zuschauern wirkte der 64-Jährige dabei anfangs etwas unsicher auf den Beinen und in seinen Bewegungen auch so rostig wie seine ebenfalls reaktivierten Schlittschuhe.

Im April 2010, nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft mit den Hannover Scorpions, war Zach von seinem Amt zurückgetreten, aber jetzt brennt er wieder für die neue Aufgabe. „Das Feuer war schnell wieder da“, sagte er bei seiner Vorstellung in Mannheim. „Wenn es auch bei den Spielern da ist, dann funktioniert’s.“

Eigentlich hatte der frühere Bundestrainer (1998 bis 2004) nie mehr eine Klubmannschaft trainieren wollen. Doch dann ging alles ganz schnell, nachdem die Mannheimer, die nach einigen peinlichen Pleiten in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) derzeit nur auf Platz sechs liegen, ihren Trainer Harold Kreis entlassen hatten. „Ich musste schon überlegen, nach Hannover hatte ich ja einige Angebote ausgeschlagen“, sagte Zach. Doch dann kam er zu der Erkenntnis: „Das ist ein Vorzeigeverein. Ich war in Düsseldorf und Köln, und wenn jetzt noch Mannheim dazukommt, dann war man bei den großen Klubs.“ Dass Daniel Hopp, der Geschäftsführer der Mannheimer Adler, bei seiner Kontaktaufnahme nicht nur mit Worten Überzeugungsarbeit geleistet hat, gilt als sicher. Zach erklärte in bemerkenswerter Reihenfolge, alles dafür tun zu wollen, „dass die Familie Hopp und die Zuschauer in der SAP-Arena gutes Eishockey zu sehen bekommen“.

Um seinem Lebenslauf möglichst noch ein meisterliches Kapitel hinzuzufügen, setzt Zach in Mannheim auf „Teamgeistförderung und Bewusstseinsschärfung“. Seine Philosophie und Ideen hat der gelernte Metzger aus Bad Tölz den Profis gleich an seinem Antrittstag zu vermitteln versucht: bei einer einstündigen Ansprache „auf Deutsch und Englisch“. Als er danach während der ersten Trainingseinheit seine neuen Spieler laut und deutlich auf ihre Pflichten hinwies, erntete Zach Szenenapplaus von den Fans, die gleich mit zehn Bussen zur DEL-Premiere des neuen Trainers an diesem Freitag nach Krefeld reisen werden. „Ein starker Gegner, der kommt gerade recht“, sagte Zach mit dem ihm eigenen Kampfesmut.

Die erste Bestandsaufnahme des neuen Trainers fiel positiv aus: „Die Mannschaft ist gut trainiert. Alle bemühen sich, und bei Einzelnen, wo etwas fehlt, wird das sofort angesprochen.“ Die meisten „saugen es auf, andere fühlen sich vor den Kopf gestoßen“, merkten aber schnell, dass es nichts Persönliches sei. Diese Erfahrung hat auch Stürmer Kai Hospelt gemacht, der früher schon in Köln unter Hans Zach trainiert hat. „Ich habe Probleme gehabt, als ich jünger war. Es ist nicht immer einfach mit ihm, man weiß aber auf jeden Fall, woran man ist“, sagte Hospelt.

„Da müssen wir gewinnen – ohne Wenn und Aber“

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Scharmützel und Ticketpreisdebatten

Auch in Sachen Eishockey weiß man bei Hans Zach, woran man ist. Er gilt als Vertreter eines auf Defensive bedachten Spielsystems. Eine Kritik, die der Altmeister offensiv konterte. „Wir wollen erfolgreiches Eishockey spielen“, sagte Zach und erinnerte an vorwurfsvolle Stimmen aus Berlin und auch aus Mannheim, dass er kein attraktives Eishockey spielen lasse: „Wenn wir dann mit Siegen rausmarschiert sind, war das Spektakel genug.“ Blamiert hat Hans Zach weniger sich als die Gegner.

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