Mannschaft des Jahres : Brand-Rede und Neid-Gefühle

Welches Team ist die Mannschaft des Jahres 2007? Die Handballer oder die Fußballerinnen? Ein fiktives Streitgespräch mit den Trainern Heiner Brand und Silvia Neid.

Sven Malzahn
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Harter Konkurrenzkampf. Heiner Brand und Silvia Neid -Fotos: ddp

BerlinBei der Wahl zur "Mannschaft des Jahres" zeichnet sich ein spannender Zweikampf ab. Die Handball-Nationalmannschaft der Männer hat die Massen ebenso begeistert wie die Fußball-Nationalmannschaft der Frauen. Und beide wollen gewinnen. Das ist schon daran abzulesen, dass beide angekündigt haben, in voller Mannschaftsstärke zur Gala nach Baden-Baden anzureisen, wo am 22. Dezember die "Sportler des Jahres" gekürt werden. Stellen wir uns einmal vor, wir wären Mäuschen, wenn die Trainer - Heiner Brand und Silvia Neid - ihre Ansprüche auf den Titel ausdiskutierten:

Heiner Brand: Diesmal kann es keine zwei Meinungen geben. Meine Handball-Jungs sind das Team des Jahres. Schließlich haben wir mit unserem WM-Titel das "Wintermärchen" gefeiert.

Silvia Neid: Das habt ihr euch doch nur von den Fußballern mit ihrem "Sommermärchen" abgeschaut. Meine Fußballerinnen sind die Mannschaft 2007 schlechthin. Im letzten Jahr haben die Fußballer die Auszeichnung gewonnen, und die waren bei der WM nur Dritter. Wir haben den Titel geholt, da ist es doch nur logisch, dass meine Mädchen in diesem Jahr geehrt werden.

Heiner Brand: Bei uns war aber die Begeisterung viel größer. Wir haben die WM im eigenen Land gewonnen!

Silvia Neid: Das war ja auch viel einfacher, weil ihr das Publikum hinter euch hattet. Wir mussten uns in der Fremde durchsetzen. Und zwar in China, viel weiter weg von zu Hause geht gar nicht.

Heiner Brand: Papperlapapp, bei einer WM im eigenen Land ist der Druck viel größer.

Silvia Neid: Blödsinn, für uns war der Druck größer, weil wir Titelverteidiger waren.

Heiner Brand: Na siehste, für euch war das überhaupt nichts Neues. Wir Handballer mussten dagegen seit 1978 auf einen WM-Gewinn warten.

Silvia Neid: Okay, meine Mädels konnten dafür besser singen. "We are the champions" und "So seh'n Sieger aus (Scha-lala-la-la)" klang bei uns viel überzeugender und leidenschaftlicher.

Heiner Brand: Das mag ja sein. Wir haben weniger gesungen, aber dafür singen lassen. "Wenn nicht jetzt, wann dann" von De Höhner war außerdem ein Riesenhit. Da könnt ihr nicht mithalten.

Silvia Neid: Bei den Fußballerinnen gab es dafür die schönere Geschichte: Unsere Torhüterin Silke Rottenberg zog sich im Januar einen Kreuzbandriss zu. Ich beförderte Nadine Angerer zur neuen Nummer eins und Nadine wurde bei der WM zur besten Torhüterin des Turniers gewählt. Silke Rottenberg kam trotzdem mit nach China und war ein ganz wertvoller Bestandteil des Teams. Ist das nicht schön? Außerdem haben wir im gesamten WM-Turnier nicht ein einziges Gegentor kassiert. Eine historische Leistung - ein Rekord für die Ewigkeit. Da staunste, was?

Heiner Brand: Ja gut, ich sach mal, ein Handball-Turnier ohne Gegentor ist natürlich nicht drin. Der Vergleich hinkt. Aber unsere Torhüter-Geschichte ist mindestens genauso rührend: Henning Fritz ist einer der besten Torhüter der Welt und kam beim THW Kiel trotzdem kaum zum Einsatz, weil ihm dort der französische Nationaltorwart vor die Nase gesetzt wurde. Ich habe ihn trotz fehlender Spielpraxis bei der WM eingesetzt, und er wurde mehrfach zum "Man of the match" gewählt. Und tragisch war's auch: Henning verletzte sich ausgerechnet im Finale! Für ihn sprang Johannes Bitter ein, und auch der hielt tadellos. Das ist doch besser als Hollywood!

Silvia Neid: Na schön, Heiner, schließen wir Frieden. Ich glaube, deine Mannschaft hat die Auszeichnung zur Mannschaft des Jahres ebenso verdient wie meine. Wenn's nach mir geht, können wir uns den Titel teilen.

Heiner Brand: Das ist ein faires Angebot. Deinen Mädchen gebührt so viel Respekt wie meinen Jungs. Trotzdem habe ich noch ein As im Ärmel ...

Silvia Neid: Und was soll das sein?

Heiner Brand: Mein Bart ist schöner.


Wüssten Sie nach diesem Ping-Pong-Spiel, wem Sie Ihre Stimme geben würden? In unserer Umfrage spielen wir den "Geschlechterkampf" schon einmal durch: Welches Team ist die "Mannschaft des Jahres 2007"?

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