Manuel Machata und die verliehenen Kufen : Im Bobsport ist kein Fairplay möglich

Bobfahrer Manuel Machata wehrt sich vor Gericht gegen seine Wettkampfsperre. Zu Recht, meint Dominik Bardow. Denn für Sanktionen fehlt die Grundlage - Machata hatte nur seine Kufen an die Konkurrenz verliehen. Der Fall zeigt, dass es beim Bobsport mehr um die Maschine als den Menschen geht.

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Manuel Machata wird für ein Jahr vom Bobsport ausgeschlossen. Das sagt mehr über den Sport aus als über ihn.
Manuel Machata wird für ein Jahr vom Bobsport ausgeschlossen. Das sagt mehr über den Sport aus als über ihn.Foto: dpa

Es gäbe einige Kandidaten für den Fairplay-Preis des deutschen Sports 2014: die russische Olympia-Mannschaft zum Beispiel. Die stellte bei den Winterspielen in Sotschi ihre Ski-Präparierungsmaschine zur Verfügung, ohne die vierzig Paar Ski von deutschen Biathleten, Langläufern oder Kombinierern unbrauchbar gewesen wären. 2012 hatten zwei deutsche Ruderinnen den Preis gewonnen. Sie liehen Schweizer Ruderern, die am Zoll zu scheitern drohten, bei einem Wettkampf ihr Boot, obwohl das zeitlich ihren eigenen Start gefährdete.

Manuel Machata wird 2014 nicht gewinnen. Der Potsdamer Bob-Pilot hat dem Russen Alexander Subkow seine Kufen geliehen. Klingt erst einmal nett. Doch Subkow gewann mit der Leihgabe zweimal Gold, die Deutschen dagegen enttäuschten bei Olympia, ohne Machata.

Den Fairplay-Preis wird auch der deutsche Bob- und Schlittenverband nicht gewinnen. Der BSD sperrte Machata für ein Jahr und verhängte 5000 Euro Strafe. Machata will nun vor Gericht ziehen. Er möchte nicht als Vaterlandsverräter beschimpft werden. Zudem sei seine Existenz gefährdet bei einem Jahr ohne Sportfördergelder.

Die Episode wirft ein schlechtes Licht auf den Bobsport. Der BSD erhält so viel Steuermittel wie kein anderer Wintersportverband, fast die Hälfte der Fördermittel entfällt auf Rodler und Bobfahrer. Die Bobs holten in Sotschi erstmals seit 50 Jahren keine Medaille. Das wurde mit technischen Mängeln der High-Tech-Gefährte begründet. Trotz der hohen Zuschüsse organisieren sich die Piloten zusätzliches Material. Machata sagt, er habe privat 30 000 Euro für das Schweizer Fabrikat bezahlt. Die gefährdeten seine Existenz anscheinend nicht. Die Weitergabe an Subkow war offenbar Teil dieses dubiosen Deals. Das Verleihen von Kufen ist aber weder verboten noch unüblich. Dem BSD fehlt die Grundlage für seine Sanktionen.

Entweder lenkt der Verband also mit einer Lappalie vom eigenen Misserfolg ab, Fördermittel letztlich verschwendet zu haben. Oder aber er gesteht ein: Im Bobsport ist kein Fairplay möglich. Weil das Material entscheidender ist als das Boot beim Rudern oder die Ski bei Langläufern. Dass am Ende letztlich nicht der Mensch, sondern die Maschine gewinnt. Ist das fair?

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