Manuel Neuer im Interview : "Mein Spiel ist in England nicht sehr gefragt"

Manuel Neuer über englische Torhüter, seinen 30. Geburtstag und die Aussicht, die Nationalmannschaft bei der EM in Frankreich als Kapitän anzuführen.

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Manuel Neuer war drei Mal Welttorhüter. Er hat 2013 mit dem FC Bayern München die Champions League gewonnen und 2014 im WM-Finale gegen Argentinien entscheidend zum Triumph der Nationalmannschaft beigetragen.
Manuel Neuer war drei Mal Welttorhüter. Er hat 2013 mit dem FC Bayern München die Champions League gewonnen und 2014 im WM-Finale...Foto: Imago

Herr Neuer, es ist so weit: Sie werden am Sonntag 30!

Ach so.

Ach so? Macht das nichts mit Ihnen?

Nicht viel, du hast ja jedes Jahr Geburtstag. 30 ist auch nur eine Zahl. Ich habe keine Angst vor der drei vorne. Als Feldspieler wäre das vielleicht anders. Aber ich fühle mich jung, ich stehe jetzt voll im Saft und denke gar nicht daran, dass die Karriere so langsam dem Ende entgegen gehen könnte.

Als Torwart darf man ja auch älter sein. Gianluigi Buffon ist 38.

Aber der ist auch eine Ausnahme. Gigi ist immer noch Weltklasse. Jens Lehmann hat auch lange gespielt, aber ich will gar nicht so viel übers Alter reden.

Weil Sie einen Schreck bekommen, wie lange Sie schon dabei sind?

Das ist doch schön, dass ich so viele Erfahrungen sammeln konnte, dass ich schon als sehr junger Spieler als Profi zwischen den Pfosten stand.

Und die besten Jahre kommen erst noch.

Schau’n wir mal.

Kennen Sie eigentlich einen richtig guten englischen Torwart?

Ich finde Joe Hart gut. Er spielt mit Manchester City regelmäßig in der Champions League, ist in Eins-gegen-eins-Situationen sehr stark und hat eine gute Ausstrahlung. In England wird der Torwart oft auch bei Standardsituationen gedeckt, da ist Hart sehr robust und präsent. Ich würde das auch nicht verallgemeinern, nach dem Motto: Die Engländer haben generell keine gute Torhüter. Es gab natürlich einige unglückliche Situationen in der englischen Fußball-Historie, aber es ist nicht alles schlecht gewesen.

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Es ist aber ein bisschen Mode, sich über englische Torhüter lustig zu machen.

Wir Profis machen das nicht, das ist eher was für die Medien.

Trotzdem heißt es immer: Alle talentierten deutschen Torhüter, die momentan nicht an Ihnen vorbeikommen, wären in England vermutlich die Nummer eins.

Das liegt daran, dass wir in Deutschland sehr gute Ausbilder haben. Schon in den Nachwuchsteams verrichten die Torwarttrainer sehr gute Arbeit. Wir haben auch in den U-Mannschaften beim DFB Leute, die ihren Job sehr gut verstehen, sodass immer wieder gute Torhüter nachkommen.

Warum kopieren andere Nationen das nicht, wenn es offensichtlich erfolgreich ist?

Es ist halt die Frage, was man von einem Torwart erwartet. In der Premier League wird ein anderer Fußball gespielt. Da ist es nicht gefragt, dass ein Torwart mit beiden Füßen gleich stark ist, damit er das Aufbauspiel von hinten betreiben kann. Viele Teams in England operieren mit langen Bällen. Den langen Schlag beherrschen da alle Torhüter, aber du brauchst keinen Torwart, der so eine Art Spiel pflegt wie wir in der Bundesliga. In Deutschland haben die Torleute traditionell eine besondere Rolle. Das gehört zu unserer Fußballgeschichte.

Und Ihretwegen wollen kleine Jungs heute erst recht Torwart werden.

Kommt drauf an, auf welchem Platz sie spielen (lacht). Als kleiner Junge bin ich früher gar nicht gern ins Tor gegangen. In meiner Nachbarschaft gab es keine tollen Rasenplätze mit schönen Toren. Da hast du auch mal auf Beton, auf Asche oder Schlacke gespielt. Und sich da ins Tor zu stellen und zu schmeißen – da wusste jeder, was ihn erwartet, wenn er nach Hause kommt. Mich hat mein erster Trainer bei Schalke ins Tor gesteckt. Da hieß es: „Du bist neu, also zieh die Handschuhe an und geh rein!“ Das habe ich wohl ganz ordentlich gemacht. Der Trainer hat mich jedenfalls nicht mehr rausgelassen.

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