Sport : Maradona? Maradona!

Maradona ... ach, Maradona! Heute gibt er in Buenos Aires seine Abschiedsvorstellung in einem Spiel gegen eine Weltauswahl, und unter den 40 000 Zuschauern wird sogar sein liebster Feind sitzen: der Brasilianer Pelé, mit dem er sich seit Jahren in aller Öffentlichkeit um den Titel des größten Fußballers aller Zeiten streitet.

Pelé oder Maradona? Das ist eine Frage wie die vor 35 Jahren nach den Beatles oder den Stones. Sie wird an dieser Stelle zugunsten des Argentiniers beantwortet. Maradonas Stellung zu würdigen bringt es leider mit sich, Pelés Verdienste kleiner zu reden, als es eine nostalgisch gestimmte Öffentlichkeit wahrhaben will. Natürlich hat der Brasilianer vier Weltmeisterschaften gespielt und ist dabei dreimal Weltmeister geworden. Mal abgesehen davon, dass er gerade zwei WM-Turniere bis zum Ende durchgespielt hat: Auch als begnadeter Individualist war er stets Teil eines hervorragenden Ganzen. Wer an Pelé denkt, dem fallen auch 40 Jahre später noch Namen wie Vava, Didi, Garrincha oder Zagallo ein. Wer aber waren vor gerade 15 Jahren die tragenden Säulen der argentinischen Weltmeistermannschaft von Mexiko? Maradona und ... hm, Kempes? Nein, der war 1978.

Pelé hat seine Karriere als etablierter Star beim FC Santos verbracht und nie die Herausforderung einer fremden Kultur gesucht (der Vergnügungsausflug zu Cosmos New York zählt nicht). Maradona kickte vom 21. Lebensjahr an in Barcelona und Neapel, in den beiden besten Ligen der Welt. Pelé feierte seine Erfolge zu einer Zeit, als Künstler sich bei gemütlichem Tempo ohne Sonderbewachung ihrer Kunst widmen konnten. Maradona hatte seit seinem Wechsel nach Barcelona in jedem Spiel einen Schatten.

Bleibt die Charakterfrage. Jeder weiß doch, dass der Mann gekokst, gehurt, gelogen und betrogen hat. Das stimmt und ist hier doch irrelevant. Es gilt den Fußballspieler Maradona zu unterscheiden vom Menschen Maradona. Das geht nicht? Natürlich geht das. Picasso himmelte Stalin an, Hemingway war Alkoholiker, und doch wird niemand ernsthaft am ihren künstlerischen Leistungen zweifeln. Bei der Beurteilung eines Kunstwerkes haben die menschlichen Defizite des Künstlers keine Rolle zu spielen.

Also: Diego Maradona hat in einer Zeit, da Zerstörung zur obersten Maxime fußballerischen Denkens wurde, da Typen wie Franco Baresi oder Lothar Matthäus als Idole gefeiert wurden, als Begriffe wie Pressing und Blutgrätsche Oberhand gewannen, in dieser Zeit also hat Maradona dem Fußball auf höchstem Niveau etwas von seiner Verspieltheit bewahrt. Und deshalb wird Diego Armando Maradona heute zu Recht als bester Fußballer aller Zeiten gefeiert.

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