Marathon : Mutai läuft schnell - bergab

Mutais Fabel-Zeit ist nur in Boston möglich: Das Gesamtgefälle beim Boston-Marathon beträgt 120 Meter, die Läufer sind die ganze Zeit bergab gerannt. Beim Berlin-Marathon sind die Bedingungen andere.

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Berlin Die ersten beiden Worte, die Mark Milde durch den Kopf schossen, waren: „Whow, unglaublich.“ Diese Zeit, diese 2:03:02 Stunden, das war so unglaublich. 2:03:02 Stunden lief der Kenianer Geoffrey Mutai beim Boston-Marathon, und als er das Zielband durchbrach, da war er 57 Sekunden schneller als Haile Gebrselassie. Der hatte 2008 die bis Montag weltweit schnellste Marathonzeit aufgestellt: 2:03:59 Stunden. „57 Sekunden sind im Marathon auf so einem Niveau Lichtjahre“, sagt Milde, der Renndirektor des Berlin-Marathons.

Nur hatte sie auch einen Haken, diese Zeit. Und genau deshalb gilt sie auch nicht als offizieller Weltrekord. Das Problem ist dabei nicht so sehr der Rückenwind. Das Problem sind 120 Meter.

Das Gesamtgefälle beim Boston-Marathon beträgt 120 Meter; anders gesagt: Die Läufer sind die ganze Zeit bergab gerannt. Offiziell erlaubt ist ein Gefälle von einem Meter pro Kilometer, 42 Meter insgesamt. Aber das ist erst einmal nur die halbe Wahrheit. Der Weltverband will keine Bergabläufer, er will korrekte Bedingungen. Deshalb müssen Start und Ziel Luftlinie innerhalb von 20 Kilometer liegen, wer bergab gelaufen ist, muss also auch wieder bergauf. Aber in Boston liegen Start und Ziel Luftlinie rund 40 Kilometer auseinander.

In Berlin liegen Start und Ziel rund ein Kilometer auseinander, das Gesamtgefälle beträgt 20 Meter. „Was man bei uns bergab läuft, muss man auch wieder bergauf bewältigen“, sagt Milde. Er schätzt, dass in Berlin maximal 2:03:40 Stunden möglich sind. Aber 2:03:02 Stunden ist natürlich auch eine magische Zahl, egal, wie sie zustande gekommen ist. Mutai katapultierte mit ihr seinen Marktwert in eine andere Liga. „Der hat sich verdreifacht“, schätzt Milde.

Aber an Gebrselassie kommt er trotzdem nicht heran, der ist einmalig. Extrem schnell und zugleich Sympathieträger. Eine PR-Zugnummer, mit der man Sponsoren ansprechen kann.

Milde hat es vor kurzem wieder bei einer Taxifahrt in Berlin bemerkt. Das Gespräch kam auf den Berlin-Marathon, der Fahrer brummte: „Ist da nicht der Haile Sowieso mitgelaufen.“ Der Haile Sowieso ist einfach verankert in den Köpfen der Leute. „Den kennen auch Normalbürger“, sagt Milde. „Wenn ich dem Fahrer aber sage, da kommt Geoffrey Mutai, schaut der mich nur verständnislos an.“

Immerhin, wenigstens ein paar Fans werden mit dem Namen Mutai dann doch etwas anfangen können. Mutai belegte 2010 beim Berlin-Marathon Platz zwei.

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