Marcel Ohorn hat große Ziele : Berlins bester Golfer wird Profi

Marcel Ohorn startet in der kommenden Woche bei der Red Sea Egyptian Classic. Der Berliner will einer der besten Golfer der Welt werden.

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Lieber alleine. Ohorn liebt Einzelzimmer und Training ohne Kollegen.
Lieber alleine. Ohorn liebt Einzelzimmer und Training ohne Kollegen.Foto: Mike Wolff

Nach Jahren der Vorbereitung beginnt der Traum von Marcel Ohorn am 5. Januar mit einem Flug nach Kairo. Der 19 Jahre alte Golfer aus Berlin-Tempelhof wechselt ins Profilager und spielt ab dem kommenden Jahr auf der PGA Pro Golf Tour – die dritte Profiliga aus europäischer Sicht. Mit der „Red Sea Egyptian Classic“ beginnt die Tour und für Marcel Ohorn erstmals das Spiel um Preisgeld. „Worauf sollen wir noch warten?“, fragt Ohorns Trainer Gregor Tilch. Sein Schützling sei deutscher Nationalspieler, habe in diesem Jahr bei internationalen Amateurturnieren mehrere Top-Ten-Platzierungen erreicht und im September die deutsche Meisterschaft gewonnen.

Zurzeit bereitet sich Ohorn in seinem Berliner Heimatklub Stolper Heide auf die neue Herausforderung vor. Wenn das Wetter besonders unangenehm ist, trainiert er im ersten Stock des Klubhauses kleine Chips auf ausgerolltem Kunstrasen und die großen Schläge vor einem Golf-Radar in ein feinmaschiges Ballfangnetz, acht bis zehn Stunden am Tag. „Natürlich macht das nicht jeden Tag gleich viel Spaß“, sagt Ohorn, der nach einer Verletzung im Oktober jetzt wieder schmerzfrei spielen kann.

Durch einen zehnten Platz in der Qualifikation zur Tour darf Ohorn bei sämtlichen Pro-Golf-Tour-Veranstaltungen starten. Nach zwei Turnieren in Ägypten folgen acht Events in Marokko. Wenn sich die Grüns in Mitteleuropa vom Winter erholt haben, reisen die Spieler von Mai an zu verschiedenen Austragungsorten in Österreich, Polen und Deutschland. Das Finale findet Ende September in Adendorf bei Lüneburg statt. Die voraussichtlichen Reisekosten für seine Tourstarts hat Marcel Ohorn schon ausgerechnet: 20 000 Euro.

Dennoch sagt Trainer Tilch: „Dieser Schritt jetzt wird der schwerste.“ Es sei einfach etwas ganz anderes, ob man als Amateur um Ranglistenpunkte und Renommee spiele oder als Berufsgolfer um Geld und seine sportliche Zukunft. „Niemand kann voraussagen, wie ein Neuling mit diesem existenziellen Druck umgehen kann“, sagt Tilch. Selbst Weltklasse-Amateure seien schon am Sprung ins Profilager gescheitert. Nicht von ungefähr entscheiden sich viele hervorragende deutsche Nachwuchsgolfer gegen dieses Risiko. Sie spielen lieber weiter als Amateure, zum Teil großzügig unterstützt vom Deutschen Golfverband, und studieren oder machen eine Ausbildung.

Marcel Ohorn ist da ganz anders: Seitdem er 2012 seine Mittlere Reife in der Tasche hat, treibt er einzig und allein seine Golfkarriere voran. „Ich will einer der besten Golfer der Welt werden“, sagt der 19-Jährige. Innerhalb der Nationalmannschaft gilt Ohorn – das sagt er selbst – als Einzelgänger und als Exot. Als Exot, weil die besten Golfer des Landes traditionell aus Klubs wie St. Leon-Rot, Hubbelrath oder Frankfurt kommen. Als Einzelgänger, weil Ohorns Fokus einzig dem Spiel gilt, weil er sich in der Regel ein Einzelzimmer nimmt und am liebsten sogar allein trainiert. „Manche legen ihm das als Arroganz aus“, sagt Tilch. Aber in Stolpes Zweitliga-Mannschaft habe Ohorn regelmäßig bewiesen, dass er ein guter Teamplayer sein kann. „Gegen Erfolg kann man schwer argumentieren“, sagt Tilch.

Ohorns große Stärke ist, dass er unter Druck noch besser wird. „Er hat sich mental in den vergangenen zwei Jahren noch einmal deutlich verbessert und ist jetzt geduldiger“, erklärt Tilch. Gegner, die auf Fehler warten, würden mittlerweile enttäuscht. „Marcel haut einfach keine Bälle mehr weg.“ Daher prophezeit Tilch, dass die Pro Golf Tour nur eine kurze Zwischenstation für Marcel Ohorn sein werde.

Das Gesamtpreisgeld der Turniere liegt zwischen 30 000 und 50 000 Euro. Wenn es Marcel Ohorn gelingt, seine Reisekosten wieder reinzuspielen, dann wird es eine erfolgreiche erste Profisaison gewesen sein. Auf einen Caddie wird er für den Anfang noch verzichten müssen. „Das wäre zu teuer“, sagt Ohorn. Mit dem Alleinsein hat der Berliner ja ohnehin keine Probleme.

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