Marcel Reif : Bayern München auf dem Weg in die Spur

Direkt nach Abpfiff online: Marcel Reif kommentiert für den Tagesspiegel die Bundesliga - und glaubt, dass Uli Hoeneß am Ende wieder Recht behalten könnte.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Herbstmeister werde der FC Bayern München noch, sagte Manager Uli Hoeneß dieser Tage, eine Serie werde man nun starten, siegen in Folge, und dann werde dieser katastrophale Saisonstart bald nur noch eine kleine Geschichte sein. Nun haben sie drei Siege hintereinander ergattert, aber dieser merkwürdige Titel zur Saisonhälfte ist noch weit, weit weg. Und was sie gestern gegen den VfL Wolfsburg in der ersten Halbzeit anboten, dürfte auch nicht taugen zur Befriedung der stark verwirrenden Münchner Verhältnisse.

Allenfalls die Rückkehr des Bayern-Dusels und die Verve der zweiten Halbzeit, mit denen sie das 0:2 zur Halbzeit erst egalisierten, dann drehten, birgt ein wenig Hoffnung. 0:2 in eigener Arena gegen die Wolfsburger, die zugegebenermaßen mit viel Geld, nämlich 50 Millionen, und Magaths Sachverstand auf dem Sprung zur Spitzenmannschaft sind. Zustande gekommen war der Rückstand durch eine unverschämte Schwalbe von Dzeko und ein unverschämtes Abwehrverhalten der Bayern, Respekt oder gar Angst vor den Bayern sieht anders aus. Kommt beides wieder zurück, nun, da die Bayern wenigstens Charakter zeigten im zweiten Durchgang?

Zuletzt hatten die Chefs ja schon ein wenig die Zügel angezogen, hatte Karlheinz Rummenigge dem Trainer Jürgen Klinsmann eine dauerhafte Jobgarantie ausgestellt. Und weil Hoeneß zeitgleich anmerkte, dass Klinsmann zu viel arbeite und auch mal ausschlafen solle, darf man beide Bemerkungen wohl als so etwas wie eine lobende Warnung verstehen. Allein, was nützt sie, wenn etwa Lukas Podolski den oft geforderten Einsatz von der ersten Minute an bekommt, weil Luca Toni verletzt ist, im Spiel aber über weite Strecken nicht stattfindet? Oder was muss geschehen, dass die Abwehr mal macht, was ihre Aufgabe ist und nicht herumflattert wie die Hühner, die der Fuchs besucht? Und schließlich, wo sind die sprichwörtlichen Bayern-Gene, die einst niemals zugelassen hätten, dass ein Gegner nach der erfolgreichen Umkehr des Spiels wieder zurückkommen kann und näher am Ausgleich ist als die Bayern am ultimativen Siegtreffer?

Und trotzdem: Die Bayern siegen wieder, und weil sie dafür nur eine einigermaßen vernünftige Halbzeit brauchten und auch noch einen ultimativen Siegtreffer draufsetzten konnten, könnte Uli Hoeneß mal wieder recht behalten.

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