Marcel Reif : Bremer Genugtuung gegen Hoffenheim

Marcel Reif kommentiert für den Tagesspiegel den Bundesliga-Spieltag.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Das wird dem SV Werder Bremen gut getan haben, sehr gut sogar. Als klarer und deutlicher Sieger in einem atemberaubenden Spiel auszusehen, dann zeitweise allen Lohnes sich beraubt zu fühlen und dann am Ende doch noch glücklich und strahlend vom Platz zu hüpfen, ist an sich schon ein schönes Erlebnis. Und weil sie dieses auch noch gegen die Hoffenheimer genießen durften, dürfte die Bremer Freude doppelt groß sein.

Nichts gegen die Hoffenheimer, die ja auch noch unter dem persönlichen Schutz von DFB-Präsident Theo Zwanziger und DFB-Guru Franz Beckenbauer stehen. Aber die Bremer Genugtuung, dass jahrelange geduldige und seriöse Arbeit doch etwas zählt und belohnt wird, ist doch zu verständlich. Dass ihnen der FC Bayern München in all den Jahren enteilt ist, das lässt sich vielleicht noch verkraften, weil die Bayern diese Exklusivität nicht geschenkt bekommen haben. Aber dass da auf einmal einer kommt und einfach sagt‚ „Was kostet der ganze Spaß hier, den kaufe ich“, das tut dann doch weh. Nur um das klarzustellen, der Hoffenheimer Weg ist absolut legal, niemand wird betrogen, keiner übers Ohr gehauen, und rein spielerisch sind diese Jungs mit ihrem offensiven Geist und ihrem Willen, sich auch noch gegen einen 1:4-Rückstand zu stemmen, eine Bereicherung für die Liga.

Und es ist auch unstrittig, dass sich Mäzen Hopp so üble Pöbeleien wie zuletzt in Dortmund nicht gefallen lassen muss. Aber dagegen gibt es zum Beispiel das Mittel der Beleidigungsklage, einen Zwanziger und einen Beckenbauer braucht es da nicht. Man wird indes noch sagen dürfen, dass Chancengleichheit nicht besteht, nicht mal gegenüber einer nationalen Größe wie Werder. Geld schießt nämlich, entgegen aller romantischen Betrachtungen, doch Tore, wenn es mit Klugheit ausgegeben wird. Und es ist ein Beweis von großer Kompetenz, wenn die Hoffenheimer auswärts einen so deutlichen Rückstand egalisieren. Aber diese Kompetenz ist eben auch Lohn des Geldes. Und das, Zwanziger hin, Zwanziger her, wird man wohl noch sagen dürfen, und man darf sich auch freuen, dass die Bremer noch einmal dem neuen Geld getrotzt haben.

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