Marcel Reif : ... sonst kommen die Bayern

Marcel Reif kommentiert für den Tagesspiegel den Spieltag der Bundesliga.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Kleine Kinder dürfen das nicht. Das stimmt. Fußballer aber schon, die müssen sogar Verlorengegangenes am Wegesrand auflesen, wenn sie Erfolg haben wollen. Sonst kommen die Bayern, die ihre Punkte dort liegen gelassen haben, zurück und sammeln ihre verschmähten Geschenke wieder ein. Morgen ist es am HSV oder an Schalke 04, diese Kostbarkeiten einzuheimsen – beim Duell zweier Überraschungsmannschaften. Denn die eine, Schalke 04, ist bisher unter den Erwartungen geblieben, und die andere, der HSV, hat bis dato deutlich mehr zustande gebracht, als viele angenommen hatten.

Schalke hat das wichtigste Saisonziel schon verloren, bevor die Liga überhaupt ihren neuen Spielbetrieb aufgenommen hatte. Aus dem Ziel, Champions League zu spielen, wurde nichts, weil sie bereits in der Qualifikation scheiterten. Seither ist die Saison für Schalke eine Achterbahnfahrt – keine besonders aufregende, aber eine mit vielen Kapriolen. Einer 3:0- Führung in Dortmund folgte ein 3:3-Endergebnis. Dem Ende der Torflaute von Kevin Kuranyi folgte nun sein schlechter Abgang aus der Nationalmannschaft. Und einigen guten Halbzeiten folgten stets schlechte. Schalke hat sich nicht auf sein Kerngeschäft, das Platz zwei heißt, konzentriert. Stattdessen stehen sie im Niemandsland mit vielen Fragezeichen.

Beim HSV sind es dagegen eher Ausrufezeichen. Vom einstigen Liebling Rafael van der Vaart spricht keiner mehr. Wohl aber von Piotr Trochowski. Trainer Martin Jol hat jene holländische Lockerheit mitgebracht, die Huub Stevens nie hatte. Hamburg hat wieder Freude an seinem HSV. Und das nicht nur, weil sie so schön spielen würden. Das machen sie gar nicht so oft, aber sie gewinnen. Es sind keine Festspiele wie in Bremen oder Leverkusen, aber beim HSV kommt nach einem 1:0-Sieg wieder ein 1:0. Bei Leverkusen darf es nach einem 5:0 gerne auch ein 0:1 sein. Das macht den HSV gefährlich. Gibt es gegen Schalke wieder einen Sieg, gar ein 1:0, sollten alle gewarnt sein. Nicht aber beunruhigt. Denn HSV gegen Schalke ist kein Spiel um die deutsche Meisterschaft. Eine Weggabelung ist es hingegen schon.

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