Marcel Reif : VfB Stuttgart: Nur Konzerne können mehr

Direkt nach Abpfiff online: Marcel Reif kommentiert für den Tagesspiegel die Bundesliga - und erwähnt heute Hoffenheim nicht.

Marcel Reif
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

VfB Stuttgarts Trainer Armin Veh sagte dieser Tage, er habe keine Lust um Platz sechs bis zehn zu spielen. Recht hat der Mann, und wenn man seinen VfB gestern gesehen hat, muss man sogar sagen, er hat unbedingt Recht. Denn sein Team gehört, wie natürlich auch Werder, zu jenen Teams, bei denen Ambitionen Sinn und Verstand entspringen und nicht Träumen und Wünschen. Zumal der VfB, wenn ich mich recht erinnere, vor nicht allzu langer Zeit Deutscher Meister war. Nur müsste, um Vehs Unlust abzustellen, das schwäbische Haushalten über seine Grenzen hinausgehen. Aber wie?

Don't mention Hoffenheim

Ja, wie? Wie soll das gehen in einer Fußballwelt, in der inzwischen eine andere Musik gespielt wird, und zwar mit goldenen Taktstöcken dirigiert. Chelsea ist nicht durch einen Wink des Schicksals zur Top-Adresse des internationalen Fußballs geworden, Manchester City, dieser schon tote Klub, wird es in Bälde nicht auf Grund der großen Tradition. Um einmal nicht ein heimisches Beispiel zu nennen, am Ende fühlt sich sonst wieder der Theo Zwanziger bemüßigt.

Aber was tun? Italienische Verhältnisse wie bei Inter Mailand, in das Klubeigner Moratti in den vergangenen 13 Jahren eine halbe Milliarde Euro investierte? Vor dem Ruin stehen sie auf dem Stiefel trotzdem alle. Wollen wir Konzerne, die noch weit mehr als in Leverkusen und Wolfsburg in den Fußball pumpen? Und die dann bei der nächsten Baisse am Betriebspersonal sparen?

Wunderbarer Fußball ist trotzdem nicht verboten

Nein, das Dilemma ist da und es ist auch nicht so einfach aufzulösen. Es muss aber auch niemand daran hindern, auch mal wunderbaren Fußball zu spielen. Wie es der VfB gestern tat mit viel Freude, Leidenschaft und (Bundesliga)-Klasse. Die Einschränkung muss man leider machen, man darf sich aber dennoch erfreuen an einem wunderbaren Spiel beider Teams gestern in Stuttgart, an einem Traumtor von Träsch, an Werders Charakterstärke, die nicht aufgab bis zuletzt und am Stuttgarter Boka, der lief und allgegenwärtig war, als ginge es bereits um den Titel in der Champions League. Aber nein, diese Region ist schon anderswo durchkalkuliert. Bleibt Trainer Vehs Unlust, Mittelmaß zu sein. Ab und an, so wie gestern, kann sein Wunsch befriedigt werden.

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