Marcel Reif : Was Pantelic und Ballack verbindet

Marcel Reifs Fußball-Analyse für den Tagesspiegel. Heute: Stars, die untergehen - wie Herthas Marko Pantelic in Bremen oder Michael Ballack, der gar nicht spielt.

Marcel Reif
Marcel Reif Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Ein Star ist ein Star ist ein Star. Das Dumme am Star ist, er weiß es. Marco Pantelic bei Hertha weiß es, er ist ein überragender Stürmer. Diego von Werder Bremen weiß es, er ist, und gestern zeigte er es mal wieder im Spiel gegen Pantelic und Kollegen, ein überragender Spielmacher. Und auch Michael Ballack, weiß, dass er derzeit der einzige Weltklassespieler ist, der für die deutsche Nationalmannschaft aufläuft. Dieses Wissen impft ihnen das Gefühl der Unangreifbarkeit ein. Aber sind sie es nicht auch?

Die Bremer Erfolge der jüngeren Vergangenheit ermöglichte ein gewisser Johan Micoud, auch der ein Star, auch der eine schwierige Persönlichkeit. Der Trainer Schaaf ist damit zu recht gekommen, aber der hat auch Bierruhe, der schwebt über den Dingen wie der Fisch im Wasser. Aber sonst? Es ist ein schmaler Grad, auf dem Trainer mit den Stars wandeln, die den Unterschied ausmachen. Hat Bundestrainer Löw alles richtig gemacht, als er Ballack zum Kotau antreten ließ? Erst einmal ja, weil nun auch Ballack in ständiger Beweispflicht ist für seine verbalen Vorstöße.

Wie alle Stars auf dem Platz, die Rechtfertigung liefern müssen für ihre Eskapaden. Pantelic ist zu müde zum Training? Ja, aber dann macht er die Tore, und zwar die wichtigen. Gestern nicht, aber gestern kam er gar nicht dazu, weil Hertha im Tor einen armen Tropf stehen hatte und kaum einmal in die Situation kam, in der Pantelic es seinem Trainer hätte zeigen können.

Es ist ein ständiges Lavieren. Was lässt man durchgehen, was stört die Hygiene im Team, was die Hierarchie? Wo wäre Hertha ohne Pantelic? Da, wo sie gestern untergingen gegen Werder. Was wäre Werder ohne Diego? Möglicherweise gestern untergegangen gegen Hertha. Und wo wäre Löw ohne Ballack? Mit Sicherheit nicht in den Fußstapfen von Vorgänger Klinsmann. Die Lösung? Man müsste den Stars verschweigen, dass sie es sind. Aber wären sie es dann noch?

0 Kommentare

Neuester Kommentar