Marcel Reifs Kolumne : Akribisch, präzise, ordentlich. Mit einem Wort: Hertha

Fernsehreporter und Tagesspiegel-Kolumnist Marcel Reif glaubt, dass Hertha sich nach dem Sieg gegen Leverkusen im Kampf um die Meisterschaft nur noch selbst schlagen kann.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Zu Bayer Leverkusen fällt mir nicht mehr viel ein. Es muss an der Luft liegen, eine andere Erklärung habe ich eigentlich nicht, warum die Leverkusener immer wieder, egal wie der Trainer heißt, egal, wie gut die Einkaufspolitik ist, egal, wie talentiert die Mannschaft ist, warum also die Leverkusener immer wieder in die alte Krankheit verfallen: Hoch gelobt, schön gespielt, nichts erreicht. Aber warum über Leverkusen nachdenken, wenn der gestrige Gegner der Tabellenführer war und das auch ist und es weiterhin bleibt, bis auf weiteres, und nicht hoch gelobt ist und auch nicht unbedingt immer schön spielt, aber viel erreicht.

Mit einem Wort: Hertha. Woronins nächster Treffer gestern gegen eben die Leverkusener spiegelt Herthas Zustand. Der war nicht wirklich spektakulär, dem wohnte kein Zauber inne, aber er entsprang dem Besten, was man aus dieser Situation machen konnte. Torwart Adler angeschossen, Adler lässt abprallen und Woronin kann sich nicht mehr wegducken, will das auch gar nicht und der Ball landet im Tor. Konsequent. Effizient.  Mit Konsequenz und Effizienz kann man Meister werden. Bayer Leverkusen mag ab und an mehr Freude machen beim Zusehen, und Hertha wird auch nicht behaupten, mit mehr Talent ausgestattet zu sein als der Rest der Liga, aber was ist der Job eines Trainers, eines guten Trainers?

Schau dir an, was du hast, lote die finanziellen Möglichkeiten aus und mache das Beste daraus. Kaka, Messi, Ribéry, die sind nicht möglich für Hertha, also muss man sich anderweitig umschauen. Und das hat Lucien Favre vorbildlich gemacht – akribisch, präzise, ordentlich. So spielt sein Team. Dass ein zirzensischer Marco Pantelic darin keinen Platz hat, so what? Der hat etwas Genialisches, also keinen Platz im Effizienzteam. Es geht um Nachhaltigkeit, nicht um den kleinen schönen Moment. Kurzfristig glänzt so jemand wie Leverkusen im Pokal gegen Bayern, nachhaltig steht Hertha an Platz Eins. Wage ich mich zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Hertha sich nur noch selbst ein Bein stellen kann? Nach derzeitigem Stand müssen es schon mindestens anderthalb Beine sein.

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