Marcel Reifs Kolumne : Angst um Hertha

Augsburg, Kaiserslautern und Freiburg stecken im dunklen Tabellenkeller - ohne sich zu fürchten. Schlechter sieht es hingegen für die Hertha aus, fürchtet unser Kolumnist Marcel Reif.

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Es hat wieder nicht gereicht. Auch wenn Kapitän Christian Lell einen auf Kunstkenner macht. Hertha verliert auch das zweite Spiel der Rückrunde.Weitere Bilder anzeigen
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28.01.2012 19:16Es hat wieder nicht gereicht. Auch wenn Kapitän Christian Lell einen auf Kunstkenner macht. Hertha verliert auch das zweite Spiel...

Mal nach unten geschaut, die da oben spielen ohnehin ihre eigene Saison. Da unten standen vor diesem Spieltag der 1. FC Kaiserslautern, der SC Freiburg und der FC Augsburg. Überraschend? Eher nicht. Die Möglichkeit stand bei diesen Klubs vorab in den Büchern, damit war zu rechnen, damit können sie umgehen.

Der FC Augsburg ist – mal wieder – ein echter Aufsteiger. Also einer, der der Zweiten Liga entfleucht ist, ohne genau zu wissen, was er in der obersten Liga will und zu suchen hat. Und man hat auch auf dem letzten Tabellenplatz nicht den Eindruck, als wollten sie da um jeden Preis, koste es, was es wolle, wieder wegkommen. Sie haben ihren Verstand beisammen in Augsburg, wissen um ihre Möglichkeiten und um die, die sie nicht haben, das kann sich durchaus noch positiv auswirken in den nächsten Wochen.

Und auch in Kaiserslautern hält sich das Entsetzen über die derzeitige Realität in Grenzen. Auch in der Pfalz scheinen sie den Ist-Zustand recht gelassen zu betrachten, es war zumindest noch nicht die Plattitüde zu hören, dass ein Erstligist aus Kaiserslautern so wichtig sei für die Region.

Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

In Freiburg auch nicht. Aber dort geht es nicht mehr so biotopisch zu wie in den vergangenen Jahren. Ein wenig knirscht es. Nun haben sie Cissé verkaufen können, in einem winterlichen Kraftakt. Nun haben sie Geld, aber keinen Stürmer mehr, der die Arbeitsplatzbeschreibung eines Stürmers verdient. Aber so ist das nun mal bei einem kleinen Verein, man mag das melancholisch beklagen, aber so eine Klage sichert die Liga nicht.

Aber alle drei kennen sich im Keller aus, wissen, wo der Lichtschalter ist und fürchten sich nicht. Aber wie ist das in Nürnberg, in Mainz, beim HSV und, ja, doch, bei der Hertha aus Berlin? Der HSV, da bin ich sicher, wird sich berappeln, hat er ja am Samstag schon im Berliner Olympiastadion. Nürnberg ist zumindest nicht unerfahren in den unteren Gefilden und Mainz sollte nicht wirklich erstaunt sein, wenn es auch für sie mal eng wird. Ernsthafte Sorgen, so fürchte ich, muss man sich indes um Hertha BSC machen.

In der vergangenen Woche sagte ich, dass ich eigentlich von der Hertha nichts mehr hören mag. Nun hört man doch, und zwar nichts Gutes. Es ist sogar ziemlich dramatisch. Die Niederlage in Nürnberg erfolgte nach der schlechtesten Saisonleistung. Die am Samstag gegen den Hamburger SV nach der allerschlechtesten. Soll der die allerallerschlechteste folgen? Nichts, aber auch gar nichts ist bislang zu erkennen, was den Trainerwechsel in Berlin rechtfertigen würde. Oben ist und bleibt es spannend, unten ist nichts entschieden.

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