Marcel Reifs Kolumne : Auch Kleingeld schießt Tore

Unser Kolumnist und Fußballromantiker Marcel Reif freut sich über drei Außenseitersiege am zweiten Spieltag, denn auf Dauer werden sich teure Stars wie Dzeko und Diego wieder auszahlen.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Natürlich wird es das immer geben, dass ein 1. FC Kaiserslautern auch mal einen FC Bayern besiegt an einem Spieltag. Natürlich hätte auch Mainz 05 mal eine theoretische Chance, bei VW Wolfs…, äh, beim VfL Wolfsburg zu gewinnen. Natürlich kann jeder jeden schlagen in dieser Liga, ausnahmsweise, wenn alles passt, wenn sich der nicht nur vermeintliche Underdog in einer Art Pokalrausch wähnt oder sich immer noch euphorisch berauscht wie der Aufsteiger aus Kaiserslautern. Aber nachhaltig?

Nachhaltig tun sie in Kaiserslautern gut daran, die bis jetzt gehamsterten sechs Punkte als sechs Punkte gegen den Abstieg zu werten und nicht als Indiz für Ebenbürtigkeit. Das Maß aller fußballerischen Dinge in diesem Land ist der FC Bayern München und auf Ebenbürtigkeit mit ihm hoffen dürfen die, bei denen das Geld locker sitzt, also Schalke 04 mit allen noch zu beobachtenden oder schon eingetroffenen Unwägbarkeiten. Und die, bei denen das Geld da ist, also bei VW, Entschuldigung, VfL Wolfsburg. Dort drehen sie nun wirklich am ganz großen Rad, und es war ja außer in Berlin nie umstritten, dass Dieter Hoeneß weiß, wie die Branche funktioniert. Jetzt hat er das Geld, um sein Wissen umzusetzen, um shoppen zu gehen, um Diego zu kaufen und Dzeko zu halten. Diego, Dzeko, Dzeko, Diego, das klingt schon nach – richtig gut. Und diesen Klang untermauerten die beiden auch eindrucksvoll, zumindest in der ersten Halbzeit des Spiels gegen die tapferen Mainzer.

VW Wolfs…, ja, ja, ist ja gut, der VfL Wolfsburg hat keine Tradition, wäre ohne den Konzern nichts im deutschen Fußball und wird mit dem Konzern – daran ändert auch die verspielte Überlegenheit gegen die Mainzer nichts – zur Größe werden. Bei Bedarf, und vielleicht haben sie den jetzt, wird eben nachgekauft. Und zwar nicht auf dem Wochenmarkt, wo die Talente sich anbieten, sondern in der Feinkostabteilung, wo die raren Stars zu haben sind. Den Romantikern bleibt der Trost der Ausnahmesituation: ein triumphales 2:0 der Lauterer über den FC Bayern, ein epochaler Auswärtssieg von Hannover auf Schalke und ein heroischer Sieg der Mainzer nach einem 0:3-Rückstand bei VW Diego-Dzeko Wolfsburg.

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