Marcel Reifs Kolumne : Auf den Spuren Beckhams

Die Situation des Rafael van der Vaart erinnert unseren Kolumnisten Marcel Reif an die von David Beckham. Der einzige Unterschied: Rafael van der Vaart ist talentierter. Als Fußballer zumindest.

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Was denkt Rafael van der Vaart, denkt sich Marcel Reif.
Was denkt Rafael van der Vaart, denkt sich Marcel Reif.Foto: Imago

Was soll man sagen zu Rafael van der Vaart? Dass man so langsam das Gefühl hat, er habe die Nase voll von dem ganzen Theater? Es wäre ihm zu gönnen. Denn Rafael van der Vaart ist der talentiertere Fußballer als David Beckham.

David Beckham? Ja, der fällt einem doch ein in der Causa der van der Vaarts. Beckham war ein sehr talentierter Fußballspieler, aber nicht überbordend talentiert. Er hat auf dem Platz mehr herausgeholt, als ihm in die Wiege gelegt war. Und irgendwann hat er gemerkt, ob er alleine oder mehr seine Gattin ist müßig, dass es neben dem Platz auch eine Menge zu ernten gibt. Sein Spiel gefiel denen, denen auch die Verschiebung der Viererkette gefällt, sein und das Gehabe seiner Gattin gefiel auch denen, die sich auch noch für andere Dinge des Lebens interessieren, für die Dinge des Hypes, des Boulevards und des Glamours. Inzwischen ist es bei Beckham egal, wie talentiert er als Spieler war, inzwischen verdient er außerhalb des Platzes weit mehr, als er in seiner Karriere verdient hat.

Mag sein, dass die van der Vaarts auch mal in diese Richtung gedacht haben, sie haben sich auf jeden Fall so benommen. Er hat sich die beste Freundin der Gattin genommen, die Freundin, die allem Anschein auch nicht ganz uninteressiert ist an Öffentlichkeit. Sie, Frau ehemals van der Vaart, plaudert aus dem Liebesleben. Sollen sie machen, was sie wollen, jeder bietet die Fremdscham an aus freien Stücken. Der Unterschied zu Beckham ist nur, dass van der Vaart der wesentlich bessere Fußballspieler ist. Und der scheint langsam zu spüren, dass er sich verschleudert. Dann kommen Verletzungen hinzu, böse Fouls. Und dann geht es schnell, dass ein überragendes Talent nicht mehr zeigt, nicht mehr zeigen kann, was es könnte.

Um nicht missverstanden zu werden: Wir werden die Zeiten Uwe Seelers nicht mehr zurückholen. Wir werden die Star-Kicker nicht mehr erleben als Sportartikelvertreter neben dem Platz, die abends im Opel Kapitän zur Ehefrau Ilka und deren Bratkartoffeln heimfahren. Dazu ist der Hype zu groß geworden, ist die Kommerzialisierung zu gewaltig, dazu sind Fußballstars eben nicht mehr Stars, die nur auf den Fußball begrenzt sind. Kann aber sein, dass das System seine Kinder frisst.

Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Kann also sein, dass van der Vaart das genau gerade fühlt. Und dann wird es spannend sein, wie die HSV-Kollegen damit umgehen. Wenn sie merken, dass sie ohne den Star, auch ohne den Fußballstar, klarkommen, oder sogar besser klarkommen, dann hat van der Vaart den Schuss zu spät gehört. Dann ist er nämlich weg von der großen Bühne des Fußballs. Ob es dann noch alternativ für die große Bühne der Beckhams reicht?

Der Autor ist Chefkommentator bei Sky.

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