Marcel Reifs Kolumne : Beide kriegen es nicht gebacken

Nach der Begegnung zwischen Bayer Leverkusen und Hertha BSC vergleicht unser Kolumnist Marcel Reif die Situationen der beiden doch sehr unterschiedlichen Vereine - und findet eine Gemeinsamkeit.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist. Foto: dpa
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Was eint Bayer Leverkusen und Hertha BSC, die Gegner vom 31. Spieltag? Nicht viel, nicht wahr? Da ist Bayer, immer noch ohne große Tradition, obwohl doch auch schon so alt, ein großer Werksklub mit einer dicken Geldbörse. Und Hertha, die Hertha, die verströmt schon im Namen ihre Tradition, ihre Historie. Aber sie ist wie alles in Berlin, notorisch klamm. Gemeinsamkeiten? Hertha war schon mal Deutscher Meister, lang ist es her, aber noch nicht so lange wie nie. Bayer Leverkusen war noch nie Deutscher Meister, stattdessen haben sie sich den Titel Vizekusen patentieren lassen. Und da ist dann doch eine Gemeinsamkeit zu entdecken: Bayer Leverkusen und Hertha BSC, beide kriegen es nicht gebacken. Leverkusen kommt nicht an die Spitze des deutschen Fußballs. Und Hertha kriegt offensichtlich die Bundesliga nicht gebacken. Auf jeden Fall nicht auf einem soliden Fundament, nicht mit Sinn und Verstand.
Dabei war Hertha doch auf einem guten Weg. Gut, der Preis war hoch und Dieter Hoeneß eine, sagen wir, sehr ambivalente Persönlichkeit. Man kann lange darüber diskutieren, ob seine Finanzpolitik mittel- und langfristig zielorientiert war. Die einen sagen so, die anderen so. Aber alle zusammen können nicht umhin, festzustellen, dass Hertha seinerzeit keine Fahrstuhlmannschaft war, zu der sie gerade zu verkommen droht. Trotz des Punktgewinns in Leverkusen. Warum? Weil das Umfeld eben nicht unerheblich ist für das, was auf dem Platz passiert. Bei Bayer stimmt so wenig im Umfeld, dass sich sogar Volksheld und Volksliebling Rudi Völler Fragen stellen lassen muss. Sie holten Robin Dutt, das war vertretbar, aber ließen zu, dass er vieles, was Vorgänger Jupp Heynckes an Gutem konzipiert hatte, auf den Kopf stellen wollte. Sie haben in Leverkusen immer noch einen sehr guten Kader. Aber das ist wohl der Kader, der bei weitem am wenigsten aus seinem Potenzial gemacht hat.

Und Herthas Umfeld? Muss man dazu noch etwas sagen? Sagen wir es so: Herthas Umfeld agiert in einer Art und Weise, dass der derzeitige Tabellenplatz keine wirkliche Überraschung darstellt. Mehr daneben liegen in seinen Entscheidungen und Maßnahmen kann man eigentlich nicht, allenfalls in Leverkusen in dieser Saison. Das war also in Leverkusen, wenn man so will, das Gipfeltreffen der verschluderten Möglichkeiten. Oder nicht ganz? Dass Hertha am Ende doch noch die Gelegenheit nutzte, gegen einen, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau, ähnlich desolaten Gegner zu punkten, spricht immerhin dafür, dass sich Hertha noch nicht gänzlich gehen lassen will. Im Unterschied zu Bayer Leverkusen.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel wöchentlich die Bundesliga.

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