Marcel Reifs Kolumne : Brombeerfarbene Folklore

Unser Kolumnist Marcel Reif hat sich vor dem Revier-Derby zwischen Dortmund und Schalke mit dem üblichen verbalen Geplänkel im Vorfeld der Begegnung beschäftigt - und mit den Gemeinsamkeiten der beiden Rivalen.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Da haben sie sich es aber so richtig gegeben vor der vermeintlichen Mutter aller Derbys. Der Präsident der einen, der aus der Nähe von Lüdenscheid, sagte, dass er nie in brombeerfarbenen Trikots spielen lassen würde. Woraufhin die Königsblauen verlauten ließen, dass die aus der Nähe von Lüdenscheid bereits in den frühen Neunzigerjahren in Himbeer gespielt hätten. Und der kleine Draxler, ein Königsblauer, vermeldet, dass er seit Tagen Stimmen höre, die ihm einflüsterten, die Zecken, die aus der Nähe von Lüdenscheid, wegzuhauen. Nimm dies, du Schuft.

Man kann dieses Geplänkel vor dem Spiel der Borussia aus Dortmund gegen Schalke 04 mit einiger Berechtigung als lächerlich bezeichnen. Man kann auch sagen, dass so ein Geplänkel einfach dazu gehört zur Folklore und dass die Fans ihren Spaß daran haben. Aber nüchtern betrachtet muss man sagen, dass es nicht mehr als Folklore ist. Tatsächlich sind sich Borussia Dortmund und Schalke 04 aber auch so etwas von ähnlich, dass man es schon gleich nennen muss. Die aus der Nähe von Lüdenscheid waren dem Größenwahn verfallen, fast bis zum Ruin. Dann kam der Präsident Watzke, kam Manager Zorc, kam Trainer Klopp und richteten die Realität wieder nach der Wirklichkeit aus. Schalke suchte nach Jahrzehnten des Nichts ebenfalls den Größenwahn, fand ihn auch und verpflichtete Felix Magath. Aber diese Episode ist nun auch Geschichte und der Vernunft gewichen.

Heute haben alle Beteiligten, die aus der Nähe von Lüdenscheid und die von der Emscher begriffen, dass es nicht um das Koste-es-was-es-wolle geht, sondern um solide Arbeit. Darum, jedes Jahr einen Draxler rauszubringen oder jedes Jahr einen Götze. Dass Borussia international noch ein wenig hinkt, so what, europäisch wird man eben nicht von Heut auf Morgen. Aber dass es gut ist, wenn es in der Liga zwei, drei verlässliche Größen gibt neben dem FC Bayern, das kann keiner negieren. Das bisschen brombeer- und himbeerfarbene Folklore berührt weder Königsblau noch Schwarz-Gelb.

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