Marcel Reifs Kolumne : Der Fußballgott spielt Jojo mit Hertha

Was immer auch geschieht mit Hertha, es kann für die nächste Saison nur ein Verhalten geben: ein unaufgeregtes, ruhiges, nüchternes, grundbescheidenes. Das wünscht sich Marcel Reif.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Mitunter hilft vielleicht ein Blick in die Historie, weil es ja immer, und bei Hertha gerade ganz besonders, ums große Ganze geht. Kann man sich noch an Jürgen Wegmann erinnern, der nach Selbsteinschätzung gefährlicher war als die giftigste Kobra? Der war 1986 bei Borussia Dortmund angestellt, und als sein Klub nach den Relegationsspielen gegen Fortuna Köln schon so gut wie abgestiegen war, da erzwang er mit seinem Treffer in allerletzter Minute ein drittes Entscheidungsspiel, in dem sich die Borussia dann retten konnte.

Was folgte, war das andere Extrem: Ein paar Herren befanden, dass die Borussia nach oben müsse, koste es, was es wolle. Das mit dem nach oben gelang durch den Sieg in der Champions League, leider auch das mit den Kosten. Was dann dazu führte, dass die Borussia in den Folgejahren um nichts mehr kämpfte als um die blanke Existenz. Und erst jetzt, seit ein, zwei Jahren, gehen die Dortmunder mit sich, mit den Erfolgen und den Pleiten sachgemäß um: unaufgeregt, nüchtern, ruhig und vor allen Dingen mit einer gewissen Grundbescheidenheit.

Will sagen: Was immer auch noch passiert mit der Hertha – man hat ja ein bisschen den Eindruck, dass da irgendjemand, irgendein Fußballgott, Jojo spielt mit Hertha, während Hertha sich auch gegen die Borussia müht nach Kräften, endlich, endlich und wahrscheinlich zu spät und leider auch unglücklich und mit ungerechtem Ausgang. Was also auch immer geschieht, es kann für die nächste Saison nur ein Verhalten geben: ein unaufgeregtes, ruhiges, nüchternes und grundbescheidenes. Großes Einkaufen ist nicht möglich, wenn kein Geld im Portemonnaie ist. Dann, das lehrten schon Großmütter, muss man halt sehen, was noch im Kühlschrank ist. Also ein Besinnen auf die eigene Kraft. Stellte nicht Hertha in den vergangenen Jahren mit Abstand die meisten Jugend-Nationalspieler? Wozu die ganz großen Sprünge führen, das hat Borussia Dortmund vorgemacht. Den Umweg sollte sich Hertha ersparen.

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