Marcel Reifs Kolumne : Der Guru ist da. Tja, und nun?

All die Spaßfaktoren im Training haben nichts gebracht: Rehhagel hat nicht den viel beschworenen Otto-Effekt auslösen können - Handauflegen schießt keine Tore, meint unser Kolumnist Marcel Reif.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Tja, und nun? Ja, kann klappen, vielleicht. Oder doch nein, das wird auch er nicht mehr retten. Hat es einen Rehhagel-Effekt gegeben, gestern in Augsburg bei Spiel eins der neuen Berliner Zeitrechnung? Der Einsatz der Hertha-Spieler ließ das in den ersten Minuten vermuten, da stimmten auch Wille und Leidenschaft. Aber die Klasse! Aber das Ergebnis! Unter dem Strich steht, dass es für Hertha auch mit dem verehrten Otto Rehhagel nicht einmal gegen den designierten Absteiger FC Augsburg reicht. Der viel beschworene Effekt, den Rehhagel auslösen wollte/sollte/konnte? Er wollte/sollte/konnte eine Blockade lösen. Aber da hat sich nichts gelöst. All die Spaßfaktoren, die Rehhagel in der vergangenen Woche im Training setzen wollte, mit Fußballtennis, mit Spielchen, mit der Frage an Raffael, ob er denn Messi kenne, all das ist verpufft. Man weiß jetzt, dass Raffael Messi wohl nicht kennt oder, wahrscheinlichere Variante, nicht einmal andeutungsweise an dessen Fähigkeiten heranreicht. Man weiß jetzt, dass allein ein Name, mag er noch so groß sein, sich noch so viele – vergangene – Erfolge an ihn knüpfen, nicht reicht. Handauflegen schießt keine Tore.

Es ist jetzt müßig, darüber zu lamentieren, wie und mit welcher Zielstrebigkeit sich Hertha in diese Situation gebracht hat. Sie ist da und es droht die sportliche Katastrophe. Und es droht die Versandung in der Zweiten Liga, mehr als fraglich, ob Hertha noch einmal einen solchen Kraftakt zum direkten Wiederaufstieg schaffen würde. Noch ist es nicht so weit, noch besteht die kleine Hoffnung, dass Rehhagel seinen Spielern den Glauben an die Erstligatauglichkeit einimpfen kann. Allein, dass er das schafft mit Sprüchen aus der Anfangszeit des Fußballs, allein daran fehlt mir ,zumindest nach den 90 Minuten in Augsburg, der Glaube.

Und noch einmal: Es gilt der Satz des Otto Rehhagel, dass noch drei Mannschaften hinter der Hertha stehen. Der Satz stimmt nicht mehr. Und leichtfertig war er auch, weil diese drei Mannschaften sich auskennen in den Niederungen, Hertha aber eben nicht. Wie gestern zu sehen. Die Augsburger haben einfach nichts zu verlieren, so treten sie auf. Hertha hat alles zu verlieren, man sieht es. Die Euphorie, die sich in Berlin in Teilen breit gemacht hat nach der Ankunft des Otto Rehhagel, die war auf jeden Fall übertrieben. Die Skeptiker, die bei aller Berechtigung ihrer Haltung hätten schweigen müssen bei einem Sieg, sie schweigen jetzt nur noch aus Pietät. Was für ein Desaster: Der Heilsbringer, der Guru, der Messias kommt – und gebracht hat es nichts. Tja, und nun?

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