Marcel Reifs Kolumne : Der HSV ist am Ende

Fast so viele Trainer wie Stadionnamen: Marcel Reif über die Liste der Peinlichkeiten beim Hamburger SV - unter besonderer Berücksichtigung der Affäre Sammer.

von
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Wo fängt man an, jetzt, da der HSV offensichtlich am Ende ist? Damit, dass dies der Klub des Uwe Seeler ist, immer noch eine der Ikonen des deutschen Fußballs? Dafür können sie sich nichts kaufen. Und auch dafür nicht, dass der Verein in einer wunderbaren Stadt lebt, dass er in einem sehr schönen Stadion spielt und inzwischen nicht einmal dafür, dass sie einen Vorstand haben, der mit Geld umgehen kann. Das, allerdings, scheint auch das Einzige zu sein, was er kann.

Diskretion, Sachverstand, hanseatische Zurückhaltung? Wo denn? Wer denn? Wann denn? Mal abgesehen davon, dass der HSV in jüngster Vergangenheit fast so viele Trainer hatte wie Stadionnamen, kann sich noch einer an all die Kandidaten für den Sportdirektor erinnern? Zehn Kandidaten gab es, mindestens, von zehn Kandidaten weiß die Öffentlichkeit, und weil beim HSV alles öffentlich und lautstark verhandelt wird, werden es wohl auch nicht mehr gewesen sein. Und die Liste der Peinlichkeiten begann mit der SMS-Absage des Oliver Kreuzer. Dann wurde Urs Siegenthaler gehandelt, der inzwischen fast legendäre Scout und Analyst, mit dem die deutsche Nationalmannschaft ein Sommermärchen zelebrierte und einen afrikanischen Winterzauber tanzte. Chapeau, dachten da manche, vielleicht kriegt der HSV ja doch noch einmal die Kurve. Kriegte er nicht, Siegenthaler sagte ab, Bastian Reinhardt durfte sich probieren, musste scheitern, auch weil mit Altmeister Netzer verhandelt wurde, wird weiter scheitern, weil Matthias Sammer auf den Plan gerufen wurde.

Und das alles nicht planvoll, nicht als Gedankenspiel, als Austausch von Vorstellungen und Möglichkeiten, sondern coram publico. Hatte sich da wirklich jemand Chancen ausgerechnet, dass Matthias Sammer tatsächlich zusagen würde? Der, der es lieber in Ruhe haben will, mitunter eher konspirativ? Im Prinzip sei schon alles klar gewesen, sagte Sammer der „BamS“. Doch dann habe HSV-Aufsichtsratschef Ernst Otto Rieckhoff „durch seine Äußerungen einen öffentlichen Druck in die Gespräche gebracht“. Warum sollte er sich ohne große Not ins Chaos stürzen, in Verhältnisse, die von einem Aufsichtsrat kontrolliert werden, der gefühlt 250 Mitglieder hat? In denen mehr laviert als konstruktiv agiert wird?

Dass das Trainergespann Armin Veh/Michael Oenning unter diesen Umständen, in diesem Wirrwarr mit einer, nun ja, charakterlich nicht wirklich gefestigten Mannschaft zu leidlichem Fußball kommt, das kommt schon der Quadratur des Kreises gleich. Der HSV 2011. Wie 2010. Wie 2009. Wie 2008. Und so weiter. Wo fängt man an, wenn man am Ende ist?

5 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben