Marcel Reifs Kolumne : Der seelenstehlende Schachspieler

Unser Kolumnist Marcel Reif wirft einen Blick auf die Zustände beim VfL Wolfsburg unter Trainer Felix Magath. Dabei spricht er dem Meistertrainer nicht den Erfolg ab, stellt jedoch dessen Methoden in Frage.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Der Felix Magath hat gegen den VfB Stuttgart mit seinen Wolfsburgern mal wieder gewonnen. Was sagt uns das jetzt? Wir sind uns einig, dass Felix Magath einer der erfolgreichsten Trainer Deutschlands ist. Wir sind uns auch einig, dass er in Wolfsburg seinerzeit eine der größten Sensationen des deutschen Fußballs geschafft hat und dass er dabei Spieler wie Grafite und Dzeko erfunden hat und sich mit dem Verkauf des Letzteren ins Plus seiner Philosophie des Heuerns und Feuerns katapultierte. Dann ging er zu Schalke, versuchte die dortige Seele zu stehlen und hinterließ eine verschlissene Mannschaft. Nun ist er wieder in Wolfsburg.

Er heuert und feuert und heuert Leiharbeiter, die er holt. Der Mann gilt ja als Schachspieler. Und möglicherweise können wir Schachkundigen, die besseren von uns, bis zu zehn Züge vorausschauen, Magath aber kann 25 Züge vorausplanen. Und deshalb weiß er, warum er tut, was er tut. Möglicherweise wird er mit Wolfsburg im Jahr 2030 mal wieder Meister, und das ist dann das Resultat seiner Methode. Wer weiß?

Im Moment sehe ich aber nur, dass es in Wolfsburg zugeht wie in der Drehtür beim Kaufhof am verkaufsoffenen vierten Advent. Die Spieler kommen, die Spieler gehen, die ehemalige Abwehr der Eintracht Frankfurt kommt, wird aussortiert, Schweden, Kroaten, Griechen, Tschechen, der ehrenwerte Salihamidzic, der noch ehrenwertere Hleb werden eingekauft, werden aussortiert, werden öffentlich gedemütigt von Magath, wie der ehrenwerte Salihamidzic, der zur Pause rein darf und ein paar Minuten später wieder raus muss. Diesen Umgang mit Menschen, auch wenn sie hoch bezahlt sind, zynisch zu nennen, ist nichts anderes als schönfärberisch.

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