Marcel Reifs Kolumne : Die Tränen des Jürgen Klopp

Große Gefühle? Bei Borussia Dortmund herrscht nunmehr eher wohltuende Ruhe, meint Marcel Reif. Selbst Jürgen Klopps Heimsuchung in Mainz konnte daran nichts ändern.

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Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Hoffentlich flennt er nicht wieder, hatte Neven Subotic aus der, ha, ha, wie witzig, oft als Kinderriegel verspotteten Dortmunder Innenverteidigung gemeint. Angesprochen war sein Trainer Jürgen Klopp vor dessen wahrscheinlich sehr rührendem Besuch an alter Mainzer Wirkungsstätte. Nun, es ist nichts überliefert von emotionalen Ausbrüchen und reichem Tränenfluss. Und wenn, hätte Klopp wohl eher darüber heulen müssen, wie leichtfertig seine Dortmunder den Ertrag einer bemerkenswerten Saison aufs Spiel setzten. Und das war sie ja wohl, diese Spielzeit, in der die Borussia zu einem seriösen Klub mutierte. Ruhig ist es geworden im Verein, nicht schlafruhig, sondern sachlichruhig.

Präsident Reinhard Rauball ist klug und fein genug, um zu wissen, dass präsidiale Einlassungen in den sportlichen Bereich eher selten Mannschaft und Trainer helfen. Und Jürgen Klopp, immer noch eloquent, keine Frage, scheint aber eingesehen zu haben, dass der allzu laute Spruch nicht automatisch der beste Spruch ist. Als Beleg der Sachlichkeit mag die Gelassenheit betrachtet werden, mit der der Klub am Ende der vorigen Saison das Verpassen eines internationalen Startplatzes hingenommen hat. Kein Lamento, keine Aufgeregtheiten, auch nicht als Neueinkauf und Welttorjäger Lucas Barrios zu Beginn fremdelte. Nun dankt er fürs Vertrauen, wie auch der eingangs erwähnte Subotic in Verbund mit Mats Hummels den vermeintlichen Kinderriegel zur zwar ligaweit jüngsten, aber auch stabilen Innenverteidigung ausgebaut hat. Alles scheint aufzugehen, ohne Hysterie. Die durchaus ausgelöst werden könnte, wenn diese sehr junge Mannschaft bei ihren Heimspielen vor der größten Stehplatztribüne der Welt zu großen Gefühlen aufgefordert wird. Allein das ist bemerkenswert, wie abgeklärt sie mit den Erwartungen umgehen. Dass es noch Baustellen gibt, dass sie Europa noch nicht sicher erstürmen können (und gestern nicht einmal Mainz), das scheinen alle Beteiligten zu wissen. Sie arbeiten entspannt weiter.

Trainer Klopp hat übrigens auf den Wunsch seines Spielers Subotic nach dem trockenen Gesicht gemeint, er habe bezüglich Mainz 05 bereits alle Tränen vergossen. Das scheint auch für die Borussia zu gelten. Warum auch sollen sie noch heulen? Die Niederlage in Mainz hat ja nicht einmal tabellarische Konsequenzen, die Champions-League-Teilnahme ist noch nicht verspielt.

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