Marcel Reifs Kolumne : Diesseits von Netzerheynckesvogts

Wer wird eigentlich Trainer des Jahres? Louis van Gaal? Felix Magath? Jupp Heynckes? Oder Michael Frontzeck, der Borussia Mönchengladbach in eine erfolgreiche Gegenwart ohne dauernde Schwarz-Weiß-Bild-Reminiszenzen an eine große Vergangenheit führen könnte?

von
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Nur mal so gefragt, weil oben endgültig noch nichts entschieden ist (nur unten, und da tut es mir schon sehr leid für die Hertha). Wer wird eigentlich Trainer des Jahres? Louis van Gaal ist natürlich ein Kandidat mit seinen Bayern, deren Weg zum Triple noch nicht beendet ist. Felix Magath ist auch einer mit Schalke, das entgegen aller Saison-Vorschauen immer noch theoretische und nach diesem Spieltag sehr praktische Chancen hat auf den großen Wurf. Jupp Heynckes ist zu nennen, der Bayer Leverkusen – was für eine Großtat – stabilisierte und ernsthaft machte. Und dann gibt es noch einen Trainer, der Unglaubliches geleistet hat, der den Realitätssinn geweckt hat in einer Region und in einem Verein, die und der sich dreißig, vierzig Jahre lang an Schwarz-Weiß-Bildern ergötzt und geglaubt hat, er sei immer noch der Klub von Günter Netzer und Jupp Heynckes und Berti Vogts und Hennes Weisweiler. Der Mann heißt Michael Frontzeck.

Die Borussia aus Mönchengladbach hat schon seit geraumer Zeit nichts mehr mit dem Abstieg zu tun. Und das alleine ist schon ein Gefühl, das man in Mönchengladbach seit ungefähr fünfzehn Jahren nicht mehr kannte. Der beste Beleg für den Erfolg eines Klubs? Das ist der, wenn Ruhe ist, wenn nichts zu hören ist von irgendwelchen Einmischungen, wenn einfach im Rahmen der Möglichkeiten gearbeitet wird. Hand aufs Herz, wie heißt der Präsident der Borussia? Genau, der findet kaum statt, ich glaube, Königs heißt er. Der Vizepräsident heißt Rainer Bonhof, und der ist Legende, wie Netzerheynckesvogts und klug genug, seinen Fußballsachverstand gezielt einzusetzen.

Sie haben ein Stadion in Mönchengladbach, sie nennen es auch Arena, aber in Wirklichkeit ist es nur angemessen für die kleine Stadt am Niederrhein. Wie überhaupt Angemessenheit die Borussia dieser Saison charakterisiert. Niemand redet unangemessen von internationalen oder interplanetarischen Ansprüchen, die Borussia ist, und das ist Frontzecks Verdienst, eine Bundesligamannschaft, stabil, flausenfrei und ohne Sorgen. Und die Zuschauer haben ihren Spaß.

Wie gestern, als die Borussia den wahrscheinlichen Meister aus München arg forderte. Der hat vorher gesagt, er könne die Meisterschaft nur noch in Mönchengladbach verspielen. Stimmt, das haben die Bayern nicht getan. Aber die zwei Punkte mehr, die ihnen die Borussia nicht gewährt hat gestern im spannenden Unentschieden, die könnten ihnen noch wehtun. Frontzeck hat für einen Moment mal wieder Ebenbürtigkeit zwischen den Bayern und Borussia geschaffen.

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