Marcel Reifs Kolumne : Dortmunds Meisterprüfung

Zweimal wurde der BVB zuletzt Deutscher Meister. Doch in dieser Saison steht der Meister auf der Prüfung, meint unser Kolumnist Marcel Reif. Und wie meistert er diese Prüfung?

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Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Zweimal hintereinander ist Borussia schon Meister, sie haben also ihre Meisterprüfung absolviert in Dortmund. Aber jetzt, in dieser Saison, findet die Prüfung des Meisters statt. Und wie meistern sie diese Prüfung? Sie haben gelernt, dass nicht alles von alleine geht. Sie haben ein wenig Boden verloren in der Liga. Sie haben sich konzentriert auf die Champions League. Dort haben sie bislang Großartiges geleistet. Die Prüfung haben sie also bestanden. Und haben sich offensichtlich jetzt, da die Champions League pausiert, wieder auf den Ligaalltag fokussiert. Auch das ist meisterlich. Bleibt jedoch abzuwarten, ob sie die Doppelbelastung auch noch bewältigen.

Trainer Klopp hat einen Kader zu dirigieren, den nicht mehr die Unbekümmertheit der beiden Vorjahre trägt, in dem stattdessen auch Unzufriedenheiten zu bewältigen sind. Klopp hat die Personalie Sahin abgewickelt und damit bewiesen, dass er verstanden hat, dass es nicht nur um elf, zwölf, 13 erstklassige Spieler geht. Auch das ist alles meisterlich.

Dann kommen die Begehrlichkeiten der anderen. Derer, die dieses erfolgreiche Ensemble beobachten, die profitieren wollen von der Entwicklung und deren Protagonisten für sich einnehmen möchten. Es ist doch nur selbstverständlich, dass sich der FC Bayern München interessiert für die Reus, Götzes, Lewandowskis. Warum auch nicht, es ist der Fluch der guten Tat, dass sich die europäische Spitze bemüht um Dortmunds Spitzenkräfte, und zur europäischen Spitze gehört nun einmal der FC Bayern. Es sollte also nicht verwundern, dass Lewandowski doch zum Saisonende an die Isar zieht. Damit hat Borussia Dortmund umzugehen, und wenn sie das hinkriegen, und es sieht so aus, als kriegten sie es hin, dann muss man den Hut ziehen.

Und dann kam das gestrige Spiel, das Heimspiel gegen den HSV. Die fast folgerichtige Führung, durch (Achtung, Mario Gomez beim FC Bayern!) Robert Lewandowski, Ausgleich, Rückstand und Platzverweis für ebendiesen Lewandowski. Beweist das nun, dass Borussia die Prüfungen des Meisters doch nicht besteht? Beweist das, dass Lewandowskis Nervenkostüm doch mehr angegriffen ist durch die Wechselgerüchte, als er selbst verlautbart? Ich denke, nein.

Und doch bleibt unter dem Strich, dass Borussia Dortmund die Souveränität der vergangenen zwei Jahre abgeht. Das zählt am Ende. Sie mögen alles richtig gemacht haben in Dortmund, den Kader ergänzt und behandelt haben, wie es sich gehört, den nächsten Schritt, den internationalen nach den nationalen Schritten, vollzogen haben, es hat trotzdem nicht gereicht. Der Meister ist schwer geprüft.

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