Marcel Reifs Kolumne : FC Bayern: Nicht mehr viel zu retten

Magath sitzt feixend im Bus: Marcel Reif über die Möglichkeiten, den Kader und das Selbstverständnis der Bayern.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Felix Magath, Wolfsburgs fußballerischer Großwesir, hat behauptet, er habe bei Anpfiff der gestrigen Spiele noch im Bus nach Cottbus gesessen, und überhaupt interessiere ihn gar nicht, was die Konkurrenz, insbesondere der FC Bayern, mache. Aha. Ich vermute mal, dass er sich Schalkes Führungstreffer per Handy hat durchgeben lassen und anschließend einen größeren Lachanfall erlebte. Ohnehin dürfte Magath derzeit überwiegend feixen, er muss sich ja nur fragen, wo der FC Bayern steht und wo er stehen müsste, dem Selbstverständnis nach, dem Kader nach, den Möglichkeiten nach.

Eine Frage, die man mit Fug und Recht zuletzt auch dem gestrigen Gegner der Münchner stellen durfte: Wo steht Schalke 04, wo müsste es stehen? Nun haben die Gelsenkirchener vier Spiele hintereinander gewonnen, und das ist schon verdächtig. Weil so ein neuer Trainer, selbst wenn er im Trio antritt, auf die Schnelle kaum etwas ändern kann als die Stimmung. Mit anderen Worten: Die Schalker Spieler haben sich mal wieder eines Trainers entledigt und zeigen nun, was sie Fred Rutten nicht zeigen wollten. Wenn man so will, ist das auch ein Modell, nicht das Münchner Kompetenzmodell, das zu scheitern droht, nicht das Alleinvertretungsmodell à la Magath in Wolfsburg, das eine Renaissance zu erfahren scheint, sondern das Schalker Modell, nennen wir es das zufällige Inkompetenzkonzept.

Umso schlimmer aus Münchner Sicht, dass das reicht gegen den FC Bayern 2009. Ob Jürgen Klinsmann noch die Führungshoheit hat? Ich wage das zu bezweifeln. In Bielefeld haben sich die Münchner zerrissen, haben gebissen wie selten. Gestern gegen Schalke war der Wille zwar erkennbar, aber auch die Unsicherheit der Abwehr, die Altintop ungehindert zum Kopfball kommen lässt, und die Schlampigkeit des Sturms, der Chancen vergibt, als seien sie umsonst zu haben. Und es war die Gemütslage der Bayern zu sehen. Manager Hoeneß brodelte sichtbar, was Wunder, wenn ihm nichts geschenkt wird auf der Zielgeraden seiner beruflichen Laufbahn. Ribéry, der seine Nerven nicht mehr im Griff hat. Und zu hören waren die Fans, die Klinsmann nicht mehr wollen. Es dürfte wohl nicht mehr viel zu retten sein in dieser Saison für die Bayern.

Der Mann, den Sie da im Bus nach Cottbus feixend sitzen sahen, das war übrigens Felix Magath, Ex-Bayerntrainer und nun Großwesir des VfL Wolfsburg.

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