Marcel Reifs Kolumne : Funkel ist die beste Idee der Hertha

Ruhig und sachlich statt Glamour und Salto auf dem Ku'damm. Wenn Berlin das will, ist Friedhelm Funkel genau der Richtige, meint Marcel Reif.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Funkel also. Friedhelm, der Ruhige. Für den hat sich die Findungskommission von Hertha BSC nun entschieden. Und, um es gleich vorweg zu sagen: Es ist die beste Idee, die die Berliner haben konnten. Allerdings nur dann, wenn sie sich ihrer Entscheidung bewusst sind. Denn mit Funkel haben sie sich nicht nur für einen Namen entschieden, sondern auch für einen Stil.

Glamour ist mit Funkel nicht. Er ist kein Mourinho, kein Klopp und auch kein Magath. Trainer also, die mit viel Exzentrik, Aufmerksamkeit auf sich ziehen und damit Druck von der Mannschaft nehmen. Keiner, der mit den Medien spielt und für den Inszenierung kein Fremdwort ist. Niemand sollte von ihm einen Salto auf dem Ku’damm erwarten. Ein Satz wie „Nächstes Jahr spielen wir in der Champions League“ wird von ihm nicht zu hören sein. Das müssen alle wissen. Wenn sie das tun, könnte die Hertha mit ihm ihr wichtigstes Saisonziel erreichen: die Klasse halten. Funkel ist ein Arbeiter im allerbesten Sinne. Und vor allem einer, der mit Mangel umgehen kann. Sein gesamtes Trainerleben musste er diesen verwalten – meist mit Erfolg. Und der definiert sich bei ihm als „Nicht-Abstieg“, „Rettung“, „Klasse gehalten“ und nicht als „Offensivfußball“ „internationales Geschäft“ oder „Wir wollen mehr“.

Auch in Berlin gibt es reichlich Mängel. Es mag eine bittere Erkenntnis sein für die Hauptstadt, aber immerhin noch Mittelmaß zu haben, hieße, nicht gegen den Abstieg spielen zu müssen. Doch genau das ist für die Herthaner in dieser Saison nunmal angesagt. Dafür ist Funkel der Richtige. Nur sollte deshalb ein Missverständnis gar nicht erst aufkommen. Ein Feuerwehrmann ist Funkel nicht und das sollte er auch nicht sein. Dafür ist die Saison viel zu jung. Sollte das aber der Hintergedanke der Verantwortlichen gewesen sein, ist das Unternehmen Hertha nicht mehr zu retten. Er ist ein Mann für das Mittelfristige. Einer, der hart am Nicht-Abstieg arbeiten wird. Und genau das könnte auf Dauer natürlich auch zum Problem werden. Denn wie gut Berlin mit Realismus umgehen kann, weiß ich nicht. Man sagt, die größte Stärke der Berliner sei das nicht.

Andere haben ein ähnliches Problem. In Frankfurt, wo er bis zur letzten Saison noch Trainer war, schätzen sie Funkel eigentlich immer noch, nur wollten die Fans irgendwann etwas mehr Bohei, mehr Optimismus. Das aber ist nichts für Friedhelm Funkel. Er verspricht in der Regel nur das, was er auch halten kann. Er kennt seine Grenzen und, noch wichtiger, die seiner Mannschaften. Ein Pessimist ist er deshalb nicht. Realist ist er, sonst nichts. Und genau das, was Hertha im Moment und wohl auch auf Dauer braucht. Es bleibt nur zu hoffen, dass alle wissen, was diese Entscheidung bedeutet – und wofür sie steht.

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