Marcel Reifs Kolumne : Geschichte wiederholt sich nicht

Unser Kolumnist Macrel Reif fühlt sich derzeit an die vergangene Saison erinnert, wenn er auf die Bayern in der Bundesliga und der Champions League schaut, erkennt aber auch Unterschiede, weshalb er nicht an eine Wiederholung der Geschichte glaubt.

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Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Hatten wir das nicht schon mal, und zwar exakt in der vergangenen Saison? Der FC Bayern München führte die Liga vor der großen Herbstdepression souverän an, in etwa so, wie er sie jetzt dominiert. In der Champions League zerbröselte der gleiche FC Bayern den FC Basel, so wie er jetzt den Franzosen aus Lille ihre Zweitklassigkeit aufdeckte. Was am Ende der Saison dabei herauskam, ist Geschichte.

Aber Geschichte wiederholt sich eben nicht, und wenn, nur als Farce. Und die bleibt in dieser Saison aus. Der FC Bayern scheint in der Liga durch zu sein, wer oder was sollte das Rad zurückdrehen? Die Antwort auf die Niederlage in Leverkusen gab es in Hamburg, die Antwort auf Borissow in der Champions League hatte Lille auszubaden. Der Unterschied? Der FC Bayern hat die Pleite schon erlebt, er ist angefressen von den vergangenen zwei Jahren, und er hat seinen Kader inzwischen so zusammengestellt, dass niemand, und niemand heißt niemand, seinen Platz in der Startelf per se sicher hat. Auch nicht Manuel Neuer. Das beflügelt.

Die Chance werden sie sich nicht mehr nehmen lassen, die große Herbstdepression wird ausbleiben. Und zwar auch, weil die Bayern etwas haben, was Borussia Dortmund und Schalke 04 in dem Maße nicht haben: die Erfahrung, auf mindestens zwei Hochzeiten zu tanzen. Schalke und Borussia werden, das haben sie unter der Woche eindrucksvoll gezeigt, in dieser Saison ihre internationale Reifeprüfung mit Bravour ablegen. Das ist neu, in den vergangenen zwei Jahren hatte zum Beispiel die Borussia die Liga beherrscht – und was sie in Europa ablieferte, war nicht der Rede wert. Nun sind die beiden ernsthaften Konkurrenten der Bayern einen Schritt weiter, aber eben nur einen. Der zweite Schritt ist der, sich nach den Großereignissen in Europa auch auf den Alltag in der heimischen Liga zu fokussieren. Nur vom gestrigen Ergebnis betrachtet, hat die Borussia den Schalter in Augsburg gefunden, nachdem sie Real in Angst und Schrecken gestürzt hatte. Schalke indes tat sich dabei schwer. Und die bisherige Saison betrachtet, finden auch die Dortmunder die Umsetzung nicht oft genug. Allein der FC Bayern weiß, trotz heftiger Frankfurter Gegenwehr, was es heißt, zweimal in der Woche konzentrierte Leistung abzuliefern.

Es gibt eben zwei Seiten der Medaille. Auf der einen ist das Klischee geprägt, wonach es schwierig ist, sowohl die Champions League als auch die Mühen der alltäglichen Ebene zu meistern. Auf der anderen Seite ist zu sehen, dass solche Klischees auch mal gerne mit der Realität bedient werden. Das ist wie mit der Geschichte, die sich nicht wiederholt.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel jeden Sonntag die Bundesliga.

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