Marcel Reifs Kolumne : Gewalttäter raus aus den Stadien

Das Stadion sollte für die reserviert bleiben, die Interesse am Fußball haben, nicht am Boxen.

Marcel Reif

Machen wir es nicht zu kompliziert. Auch wenn es eine Gratwanderung ist. Um was geht es im Fußball? Um Geld, und für manche auch um mehr als Leben und Tod. Aber es geht auch um Freude, Spaß und Unterhaltung. Darum, mit seinen Kindern dieses prickelnde Gefühl im Stadion zu erleben. Und an dem Punkt werde ich schlicht; beinahe beängstigend ignorant. Mindestens gehe ich an die Grenzen meines Rechtsempfindens: Wenn die aus dem Stadion geprügelt werden, die dort nichts zu suchen haben, habe ich damit kein Problem. Auf jeder Wiese können sie sich die Köpfe einschlagen, so lange sie wollen. Aber das Stadion sollte für die reserviert bleiben, die Interesse am Fußball haben, nicht am Boxen.

Und da beginnt die Gratwanderung, wie soll man das sicherstellen? Das Urteil des Bundesgerichtshofs, vermeintliche Fans mit Stadionverboten zu belegen, auch ohne eindeutigen Beweis, dass sie an Ausschreitungen beteiligt waren, mag die Prinzipien unseres Rechtsstaats auf eine harte Prüfung stellen. Aber bitte: Lasst uns Täter nicht zu Opfern machen. Mir sind das ausgeschlagene Auge einer Frau und meine möglicherweise bedrohten Kinder näher als einige Fans, die ihr Umfeld nicht unter Kontrolle haben. Den Ärger der Zuschauer, die sich zu Unrecht verurteilt fühlen, kann ich nachvollziehen. Nur gegen wen sollen sie ihre Wut, ihre Energie richten? Nicht gegen die, die versuchen, den Fußball friedlich zu halten.

Die Dortmunder Anhänger haben vor einigen Jahren das beste Beispiel geliefert. Als Rechtsradikale begannen, sich unter die BVB-Fans zu mischen, sind die wahren Fans aktiv geworden und haben die Idioten weggebissen. Und diese Beißkraft ist auch jetzt wieder nötig, leider. Nicht, dass nach der WM 2006 etwas verloren gegangen ist. Damals, das war ein Märchen. Da passiert so etwas nicht. Vereinsfans sind Hardcore – im positiven Sinne. Aber zuletzt hat sich in unsere Fußballwelt wieder etwas durch die Hintertür eingeschlichen, das wir überwunden glaubten. Dagegen gilt es früh anzusetzen. Der DFB, die Fans, die Polizei, gemeinsam. Und auch die Spieler. Für ihre horrenden Gehälter darf man deeskalierende Gesten erwarten. Und von den Fans Hilfe zur Selbsthilfe – auch wenn es schlicht ist.

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