Marcel Reifs Kolumne : Hertha ist Meister des Irrsinns

Dortmund ist ein würdiger Deutscher Meister. Doch es gibt noch weitere Titelträger in dieser Saison. Einer davon ist Hertha BSC, egal wie die Relegation ausgeht, meint unser Kolumnist Marcel Reif.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Wer Meister ist, steht ja schon länger fest, es ist ein würdiger Meister, er hat sich alle Sticheleien aus München redlich verdient. Und wenn die Borussia aus Dortmund jetzt noch international reüssiert, dann haben wir tatsächlich eine zweite Kraft in Fußball-Deutschland, die schon vor der Saison gesetzt ist für größere Aufgaben. Am anderen Ende, gut, dass Kaiserslautern absteigen würde, für mich persönlich ist das sehr traurig, aber es ist auch folgerichtig, war vorhersehbar, die Lauterer waren einfach nicht gut genug für diese Liga. Und die anderen Loser?

Schauen wir erst mal auf die anderen Deutschen Meister. Auf den zweiten Deutschen Meister. Der ist für mich der SC Freiburg, der schon mausetot war, dann einen Trainer bekam, der zu Anfang verlacht wurde von der so wenig kauzigen Branche und dann Respekt erntete, weil er mit seiner Mannschaft ganz Großartiges leistete. Oder auf den dritten Deutschen Meister. Der heißt FC Augsburg, der hat einen Ausflug gemacht in fremde Welten und sich dort nie gebärdet, als gehöre er dazu. So macht man das als Aufsteiger, gell Hertha, sich nicht größer fühlen als man tatsächlich ist. Und dann haben wir noch einen vierten Meister, der heißt wie der offizielle Meister, kommt aber aus Mönchengladbach. Eine fantastische Saison war das von der kleinen Borussia, und die internationale Beteiligung ist der gerechte Lohn dafür. Das alles ist tröstlich, so wie auch Trost spendet, dass der reine Wolfsburger Kapitalismus sich nicht durchsetzt.

Reaktionen zum 34. Spieltag der Bundesliga:

"Auf Messers Schneide"
„Das kann man so nicht wiederholen. Das war eine enorme Anspannung. Es war ein unglaubliches Spiel. Obwohl unsere Leistung kämpferisch top war, stand das Spiel auf Messers Schneide.“ Herthas Manager Michael Preetz nach dem 3:1 gegen 1899 Hoffenheim und dem Erreichen der Bundesliga-RelegationsspieleWeitere Bilder anzeigen
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05.05.2012 19:10„Das kann man so nicht wiederholen. Das war eine enorme Anspannung. Es war ein unglaubliches Spiel. Obwohl unsere Leistung...

Nun zum Grauen. Kann man den Meister des Irrsinns benennen? Kandidaten hat es genug gegeben, der Hamburger SV hatte sich beworben mit seinen Trainerwechseln in den vergangenen Jahren und dem Irrglauben, drittklassige Spieler von Chelsea würden reichen für die Liga. Leverkusen war trotz glücklichen Endes lange mit im Rennen mit den Irrtümern um Trainer Robin Dutt und Michael Ballack. Aber wer hat den Schwachsinn zur Krönung getrieben. Der 1. FC Köln? Hertha BSC?

Unterm Strich und vom Ergebnis aus betrachtet müsste man wohl die Kölner nennen, weil die nun direkt abgestiegen sind, wohingegen Hertha sich noch den Strohhalm der Relegation grapschte. Aber, bei aller Liebe, ist zu toppen, was sich Hertha in dieser Saison geleistet hat? Nein, ist es nicht. Mehr Inkompetenz hat es in der Geschichte der Bundesliga wohl kaum einmal gegeben. Und es ist wohl nur einer erstaunlichen Laune des Schicksals zu verdanken, dass Hertha nicht direkt bestraft wurde, noch nicht bestraft wurde. Unabhängig vom Ausgang der Relegation: Wer Meister des Irrsinns ist, steht auch schon länger fest.

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