Marcel Reifs Kolumne : Hoffenheim? Bremen? Nein, Hertha!

Tagesspiegel-Kolumnist Marcel Reif fängt an, Hertha BSC allmählich ernst zu nehmen.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Es ist ja möglich, dass sich der SV Werder Bremen doch noch einmal fängt, spät in der Saison, zu spät für die eigenen Ansprüche, viel zu spät für den guten Ruf. So ändern sich halt die Verhältnisse. 2:2 in Mailand, 0:0 gegen die Bayern, und zwar über die längste Zeit mit zehn Mann, das sind für Werder in dieser Saison gefühlte Siege. Mühsam nährt sich Werder, der vermeintliche und langjährige Konkurrent der Bayern, Köstlichkeiten sind ein Punktgewinn, die Existenz sichernde Köstlichkeiten.

Auf der anderen Seite stand gestern Hoffenheim, und für die sind unentschiedene Spiele fast schon gefühlte Niederlagen, weil sie in der Hinrunde andere Erwartungen geweckt und eben auch erfüllt haben. Nur, die TSG ist Aufsteiger, gut gepolsterter Aufsteiger, keine Frage, aber kann sich als solcher immer noch berufen auf Jugendlichkeit und mangelnde Erfahrung. Werder jedoch ist kein Ausbildungsverein, der Zeit und Selbstverständnis hat, sich mit hoffnungsvollen Talenten zu etablieren. Die Bremer wollen mehr, aber können sie noch? Seit Jahrzehnten agieren sie mit vergleichsweise überschaubarem Budget, das das absolute Spitzenpersonal nicht zulässt. Und dennoch haben sie es immer wieder verstanden, Kräfte wie Micoud oder aktuellDiego zum Wohle Bremens zu engagieren. Sie haben gleichwohl auch immer sagen müssen, dass sie ihre Spieler nicht verkaufen wollen, am Ende mussten sie es. Der gestrige Gegner, der sagt nicht, wir wollen nicht verkaufen, der sagt, wir werden nicht verkaufen, weil der Herr Hopp die Angelegenheit schon regeln wird zu Gunsten der TSG. Immerhin hat es gestern für Werder gereicht, wieder ein köstliches Unentschieden zu schaffen, und das ist nach dem grandiosen Auftritt im Pokal fast schon so etwas wie lange vermisste Konstanz.

Wer profitiert? Ich war gestern im Stadion von Hoffenheim, der Sieger das Tages stand im Stadion von Cottbus. Die Bayern haben sich zurückgemeldet, gut, schön, aber wahrlich meisterlich ist, wer unter Druck sich seines Angstgegners entledigt. Der vorherige und jetzige Tabellenführer wird langsam ernst zu nehmen sein. Nicht nur, aber auch, weil er Andrej Woronin hat. Nicht nur, aber auch, weil er jetzt vier Punkte Vorsprung hat. Der jetzige Tabellenführer heißt Hertha BSC. Ha Ho He.

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