Marcel Reifs Kolumne : Hoffenheim wird nicht Meister

Der Bayer-Konzern und der SAP-Konzern beherrschen momentan die Bundesliga. Doch am Ende werden wohl Leverkusen und Hoffenheim wieder aus dem Süden überholt.

Marcel Reif
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Ob 1899 Hoffenheim das Zeug hat, Meister zu werden? Ja, nun. Eine Menge ungeschriebene Gesetze des Profifußballs haben sie schon gebrochen, unter anderem jenes, das behauptet, Geld schieße keine Tore. Tut es doch, sogar wunderschöne, und bei allem Naserümpfen über Parvenüs, ist doch der herzerfrischende Elan, mit dem die Hoffenheimer durch die Liga brausen und heute wahrscheinlich auch durchs Berliner Olympiastadion, nicht genug zu preisen. Aber Meister?

Die Frage kann man sich schon stellen, wer denn überhaupt noch realistisch dem Titel Avancen macht. Nun, da der HSV mitunter schwächelt und Werder Bremen dauerhaft. Allerdings, anders gefragt, wer, bitte schön, stärkelt denn? Schalke? Die haben unter der Woche ein heroisches Unentschieden in Santander ertrotzt. Das lässt gewiss die Brust anschwellen für den Angriff auf den FC Bayern München. Gegen den 15. der spanischen Liga ein Remis zu erkämpfen, ist allerdings eine etwas schwächliche Referenz und auch ansonsten ist der Schalker Druck, im waghalsigen Finanzplan überleben zu müssen, nicht eben stabilitätsfördernd.

Hamburg gibt zu Hoffnungen Anlass - mehr nicht

Ob sich Werder berappelt? Die Klatsche gegen Athen hat eine in Bremen bislang undenkbare Diskussion zumindest aufkommen lassen: die Trainerdiskussion. Um es mal so zu sagen: Dass Schaafs Kopf überhaupt in Frage steht, war in Werders Lebensplanung nicht vorgesehen und kann den Klub in seinen Grundfesten erschüttern. Und die Hamburger? Die gaben, auch gestern gegen Dortmund, für viel Hoffnung Anlass. Aber wer sich von Hannover verhauen lässt, welchen Anspruch kann der wohl anmelden?

Bleiben die Geldigen, bleiben der SAP-Konzern und der Bayer-Konzern. Die TSG beeindruckt, sie begeistert sogar. Die Leverkusener auch. Offensiv, leidenschaftlich, jugendlich. Und genau da liegt das Problem. Irgendwann werden sie aufwachen, werden auf die Tabelle schauen und dann erschrocken „Huch!“ ausrufen. Derweil die da unten im Süden des Landes sich mal wieder krachledern vor Lachen auf die Schenkel schlagen: Mir san mir. Und mir haben den schlechtesten Saisonstart seit Erfindung des Balls angeboten. Es hat ihn niemand genutzt. Gut, dann müssen mir halt wieder Meister werden. Schaut ihr mal.

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