MARCEL REIFS KOLUMNE : Live aus dem Stadion

Die Bayern würden ihre Punkte am liebsten per Post nach München gesendet bekommen. So sah es gegen Hamburg zumindest aus. Die Konkurrenz reibt sich schon die Hände. Und was tun die Bayern? Die schütteln sich, gewaltig. Mit ihrem nächsten Gegner Borussia Dortmund will deshalb keiner tauschen, meint Marcel Reif.

Die Bundesliga kommentiert
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Ein erfrischendes Lebenszeichen war es ja, was der FC Bayern München anbot. Erfrischend für die Liga. Hoffenheimer und Berliner haben mit Freude vernommen, dass die Bayern wie eine x-beliebige Mannschaft auftreten können. Die Hamburger wissen es eh, sie haben es hautnah miterlebt. Beliebig soll heißen, dass sie sich an einem Tag rauschhaft selbst begeistern – allerdings auch gegen einen Stuttgarter Gegner, der zu dieser Euphorie jede Menge zutat – und drei Tage meinen, dass dieser Rausch automatisch anhält bis in alle Ewigkeit. Diese Münchner tappten so lächerlich in die eigene Falle.

Die erste Halbzeit der Bayern: eine Larifari-Haltung, gerade, als sei Ribérys Witzchen aus elf Metern gegen den VfB Vorbild. Mei, schaukeln wir das jetzt auch nach Hause, blöd nur, dass wir dafür nach Hamburg reisen mussten, kann man uns himmlischen Bayern nicht Punkte und Tore einfach überweisen? Nein, kann man nicht, und mit Kasperletheater erfreut man Kinder, sonst niemanden. Ernst nehmen sollten sie die Gegner schon, sonst wird’s selbst gegen Cottbus schwer.

Nun wird der HSV wegen des erst verdienten und in der zweiten Halbzeit mit Glück verteidigten Sieges nicht notgedrungen Meister. Aber wenn sie so weitermachen und vernünftig bleiben und nicht schon den Jungfernstieg sperren für die Meisterfeier, ist die Teilnahme an der Champions League nicht utopisch.

Nein, eine Götterdämmerung war das noch nicht. Die Münchner werden nun machen, was sie immer tun in solchen Situationen. Sie werden sich durchschütteln, das heißt, Trainer Klinsmann wird sie durchrütteln und darauf hinweisen, dass die Bundesliga keine unnötige Pflichterfüllung ist. Nächster Gegner ist die Borussia aus Dortmund. Mit der möchte man nicht tauschen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben