Marcel Reifs Kolumne : Manche Klubs ändern sich eben nie

Unser Kolumnist Marcel Reif beschäftigt sich zu Beginn der Rücktrunde mit dem Kaufrausch des VfL Wolfsburg und dem Transfer von Marko Reus, der Gladbach nach der Saison in Richtung Dortmund verlässt.

von
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Es hat sich nichts geändert, ich kann auch nach der kurzen Winterpause und den mannigfaltigen Aktivitäten des Felix Magath keinen tiefer liegenden Plan entdecken. Aber um das begreifen zu können, bin ich vielleicht zu doof. Und um das begreifen zu wollen, bin ich zu alt, zu naiv und zu altmodisch. Ich kann allerdings auch keinen Sinn in den Überlegungen des Geldgebers in Wolfsburg ausmachen. Schon klar, dass sie mit dem hemmungslosen Im- und Export von, sagen wir es mal zynisch, Spielermaterial den großen Wurf wiederholen wollen, aber zur Ehre gereicht diese Methode nicht. In diesem Zusammenhang: Dass neben den Wolfsburgern auch die TSG Hoffenheim 13-jährige Kinder verpflichtet, ist irgendwie auch signifikant.
Reden wir lieber über Fußball. Die Aufregung um den Transfer von Marco Reus zu Borussia Dortmund hat sich ja nun gelegt. Ohnehin erschien der vermeintliche Zank zwischen dem BVB und den Bayern ein wenig aufgebauscht. Sie haben halt ein paar kleine Sticheleien ausgetauscht, nichts Böses. Und es wird die Bayern auch nicht sehr grämen, dass der gute Reus eben die Heimatstadt vorgezogen hat, sie werden sich dafür mit großer Wahrscheinlichkeit irgendwann mit Mario Götze rächen. Ist ja nicht so, dass die Borussia aus Dortmund keine Spieler hätte, die gut zu den Bayern passen würden. Denn der BVB hat sich inzwischen den Sphären angepasst, in die er will. Nur, dass sie es diesmal klüger machen und das Geld erst ausgeben, wenn sie es haben.
Die Bayern bleiben dennoch das Maß aller Dinge – auch nach der fast sensationellen Niederlage in Gladbach. Auch Schalke dürfte nicht ernsthaft die bayerische Dominanz gefährden. Die haben immer noch das Problem, einen Kader zu haben, der für zwei Spielzeiten reicht. Wer den erschaffen hat, muss nicht erwähnt werden, nur, dass Manager Heldt nicht zu beneiden ist, diese Schwierigkeiten seriös und fair auszuräumen. Dass Schalke trotzdem so weit oben mitspielt, ist eine ebenso große Überraschung wie der Gladbacher Aufschwung. Ich gebe zu, ich hatte nicht damit gerechnet, dass sich ein Trainer wie Huub Stevens noch weiter entwickelt und plötzlich so schönen Fußball spielen lässt, dass sich Raúl weiterhin wohl fühlt. Und Gladbach? Da würde man am liebsten liebevoll schweigen, damit sie in Ruhe weiter ihren Weg gehen – auch ohne Reus.
Noch ein abschließendes Wort zu Hertha. Ich hatte eine Wette abgeschlossen, mit einem Fachmann, ich hatte einen einstelligen Tabellenplatz prognostiziert. Das war, bevor bei Hertha ein ungeahnter Selbstzerstörungstrieb eingeleitet wurde. Ich fürchte, ich werde die Wette verlieren. Manche Klubs ändern sich eben nie.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben