Marcel Reifs Kolumne : Mit Ruhe und Gelassenheit nach oben

Unser Kolumnist Marcel Reif hatte den HSV schon fast abgeschrieben. Doch die Hamburger stehen wieder im Mittelfeld der Liga. Weil Trainer Fink der Mannschaft Ruhe, Gelassenheit und Realismus vermittelt hat.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Gott ja, der HSV. Ich hatte ihn fast schon abgeschrieben in dieser Saison. Damals, als er sich in den vergangenen Jahren immer wieder, wie oft eigentlich schon, ganz oben fühlte, mindestens unter den Top 10 in Europa. Und so wie die Hamburger am Samstag auftraten beim Auswärtsspiel in Mainz, war diese Abschreibung auch völlig berechtigt. Aber sie haben sich trotzdem festgesetzt im Mittelfeld der Liga, die haben mal auf dem letzten Platz gelegen, man sollte das nicht vergessen.

Nun ist das Mittelfeld der Liga nicht unbedingt der Ort, an dem sich der HSV ansässig fühlt. Aber er ist realistisch. Und er bestätigt einige Gesetzmäßigkeiten des Fußballs, die manchmal bestritten sein mögen, aber dennoch existent sind. Da ist die Gesetzmäßigkeit, den Spielern frei haus Alibis zu liefern durch ein verwirrtes oder sagen wir, profilneurotisches Umfeld. Dann läuft es eben nicht im Spiel, wenn sich in den Chefetagen ein paar Herren zu sehr um die eigene Sonne kümmern, als um die, in der der Klub stehen sollte. Und das war bis vor wenigen Wochen so in Hamburg. Und nun? Nun macht Trainer Thorsten Fink vor, wie es gehen kann. Mit Fußball, mit nichts als Fußball, und keinen Schlagzeilen aus anderen Beritten.

Und siehe, auf einmal spielt Heiko Westermann wieder, am Samstag nicht, aber in der Regel, wie ein ehemaliger und vielleicht auch bald wieder Nationalspieler. Plötzlich hält Torwart Drobny wieder wie zu Zeiten, als er zu den besten Keepern der Liga zu zählen war. Ich meine, es sind die gleichen Spieler, die noch vor wenigen Tagen den HSV in Richtung Zweite Liga kickten. An irgendetwas muss es also liegen.

Es ist die Gesetzmäßigkeit, dass Ruhe herrschen muss im Umfeld, Gelassenheit und eine realistische Einschätzung, wer man ist. Nicht, wer man mal war, sondern wer man ist. Das haben sie, dank Trainer Fink wieder begriffen. Und auch wenn das Spiel in Mainz eher ein Rückschritt war, den HSV schreibe ich nicht mehr ab. Meister werden sie nicht, das ist schon mal sicher. Aber absteigen, nein, das werden sie auch nicht. 

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