Marcel Reifs Kolumne : Nur nicht zu fein, Hertha!

Hertha muss kratzen und beißen, um zu bestehen. Die Bundesliga kommentiert von Marcel Reif.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Sagte ich es bereits? Sei’s drum, dann noch mal: Hertha BSC hat einen erstklassigen Torhüter ...

Und nun heißt die Hoffnung Kringe. Die Hoffnung währte 13 Minuten. Dann verletzte sich der Neuzugang aus Dortmund, wo sie – so viel Wasser im Wein muss dann doch sein – nicht unfroh sind, den Herrn mit dem hohen Salär und den schwankenden Leistungen losgeworden zu sein. Oder, mit anderen Worten: Bei Hertha ist mindestens der Wurm drin. Wie auch anders?

Dass Pantelic aus der Ferne nachtritt, nun, so ist das bei einem in seinem Stolz verletzten Spieler. Aber der hat ein paar wichtige Tore gemacht in der vorigen Saison, in der Hertha hoch geflogen war, viel höher, als es ihre Flügel erlaubt hätten. Und auch Woronin hat ein paar wichtige Tore gemacht, und Simunic hat ein paar Tore verhindert. Und nun sind sie alle weg und stattdessen der Wurm da. Wie ihn wieder loswerden? Wenn Hertha offensichtlich nur in der Lage ist, auf dem Schnäppchenmarkt einkaufen zu gehen, und die Feinkostabteilung des Spielermarkts lediglich neidisch aus der Ferne betrachten kann?

So vielleicht: Wenn Hertha die Situation akzeptiert, sich nicht zu fein ist, gegen Mannschaften, die kratzen und beißen, zu kratzen und zu beißen. Und wenn hoffentlich niemand im gleichen Tempo, wie in der vergangenen Saison von der möglichen Meisterschaft gesprochen wurde, nun den möglichen Abstieg apostrophiert. Dann kommt es nämlich ebenfalls zu Übersprunghandlungen in der Führungsetage, und wohin das führen können, nun, das hat Hertha in der letzten Saison gerade erlebt.

Gestern ging es gegen die Mainzer, einen Aufsteiger, eine Mannschaft, die kratzt und beißt, eine, die weiß, dass sie nicht zu Höherem berufen ist. Und Hertha? Kratzte und biss und hielt dagegen. Schöner Fußball? Nein, der ist nicht zu erwarten von diesem Team, den bot Hertha auch in der vorigen Saison nicht, nur Disziplin plus einen überragenden Torwart plus drei Akzente setzende Spieler. An die Stelle der Akzente muss nun der Kampf her. Gestern in Mainz war es Krampf, war es Kampf. Vielleicht wird es in Zukunft reichen. Wie bitter, dass es gestern noch nicht reichte gegen einen Aufsteiger.

Die Liga sortiert sich: Die Bayern zeigen, wer die Bayern sind im Fußball und dass sie es immer noch sind. Bayer Leverkusen zeigt, dass der Wolfsburger Weg nicht unbedingt ein langfristiger Weg gewesen war. Und die Hertha? Die zeigt, wer die Hertha im Jahre 2009 ist. Kein Meisterschaftskandidat, kein Höhenflieger, sondern eine Mannschaft, die beißen und kratzen muss. Sie wird, derzeit auf Platz 17, ihren überragenden Torwart brauchen …

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