Marcel Reifs Kolumne : Reibung erzeugt Erfolg

Theofanis Gekas? War das nicht der Stürmer, der in der Vorsaison bei Hertha kein Scheunentor getroffen hätte? Jetzt spielt er für Eintracht Frankfurt. Und trifft.

Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist. Foto: dpa
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Gestern gegen Wolfsburg traf Gekas auch wieder. Und ist einer der Protagonisten, der für den etwas überraschenden Aufschwung der Eintracht bürgt. Eintracht? Frankfurt? Aufschwung? Wie soll das denn zusammengehen? Eintracht Frankfurt, war das nicht gefühlt seit 1960 und der damaligen 3:7-Niederlage im Europapokal gegen Real Madrid das Synonym für Schludrigkeit, Zwietracht und Intrigen?

War es. Und einig sind sie sich immer noch nicht bei der Eintracht. Da ist der Chef, Heribert Bruchhagen, der schon überall gearbeitet hat, wo im Fußball der Wahnsinn wohnt, und der folglich das Geschäft wirklich kennt. Der sagt, wir haben da oben, wo wir stehen, nichts verloren. Dann ist da Michael Skibbe, der Trainer, der, wo immer er auch arbeitete, mehr Versprechungen auslöste als Erfüllung schaffte. Der sagt, dass er große Ziele habe mit der Eintracht. Und man denkt, das kann alles nicht gut gehen, diese Reibereien, diese Differenzen. Und siehe, es geht gut. Sehr gut sogar. Warum?

Weil die Reibereien nicht der eigenen Profilierung dienen, sondern dem Klub. Man hat das immer wieder und gerade zuletzt beim FC Bayern gesehen zwischen Präsident Hoeneß und Trainer van Gaal, man hätte es dort weiter gesehen, wenn nicht Arroganz beim Elfmeter das große Ganze gefährdet hätte, man sieht es bei Hannover 96 im Dauerzwist: Reibung erzeugt Erfolg. Vielleicht einer der Gründe, warum es bei Schalke 04 immer noch nicht so recht läuft, wo sich der Trainer, der Manager und der Geschäftsführer schwertun, sich in Personalunion aneinanderzureiben. Der allgemeine Trend ist das Ringen um den Erfolg und die Ernsthaftigkeit in der Arbeit. Die, die da oben stehen, die Dortmunder, Mainzer, Hannoveraner und, schau an, Frankfurter, die arbeiten ernsthaft. Keine Frage, dass nahezu alle über Wert platziert sind zur Zeit. Auch kaum eine Frage, dass weder Mainz noch Hannover und auch nicht Frankfurt um die Meisterschaft spielen. Aber sie stehen da, wo sie stehen, zu recht, ohne Betrug, sondern mit Spaß. Und Gekas trifft.

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