Marcel Reifs Kolumne : Stuttgart ist fit für die Höhenluft

Im Kampf um die Meisterschaft hat der VfB wichtige Punkte verloren. Aber Stuttgart muss kein Serienmeister sein, um ein Meister der Konstanz zu werden, meint unser Bundesliga-Experte Marcel-Reif.

Marcel Reif
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Satt, bräsig, regelrecht fettleibig waren sie in Stuttgart. Nur, dass es nicht die Maultaschen aus dem Ländle waren, die dem VfB so zugesetzt haben. Vielmehr war es ihr eigener Erfolg. Der Gewinn der Meisterschaft 2007 hat das Spiel der Schwaben gelähmt. Nichts ging mehr. Doch statt die Mannschaft auf eine radikale Diät zu setzen, hat der Verein nur die Ernährung umgestellt – der Rest blieb konstant. Denn Markus Babbel setzt den Aufbau von Armin Veh fort und findet die richtige Mischung aus Nähe und Distanz, Kumpelattitüden und Respekt. Er ist das Beste, was dem VfB passieren konnte. Ein Typ Guardiola.

Bei Schwächen wird nicht alles infrage gestellt wie in München

Zwar dürfte die Meisterschaft, von der in Stuttgart ja eigentlich keiner etwas wissen wollte, aber viele doch geträumt haben dürften, durch das 2:2 in Bielefeld erst mal wieder in weitere Ferne gerückt sein. Aber anders als beim großen Rivalen in München wird in Stuttgart nicht alles infrage gestellt, wenn die Mannschaft Schwächen zeigt. Nachhaltigkeit ist das Stuttgarter Prinzip, und es scheint sich zu lohnen. Natürlich ist es nicht ganz fair, Stuttgart und München miteinander zu vergleichen, weil bei den einen nur ein paar Fans gerne jedes Jahr die Meisterschaft feiern würden, bei den anderen ist es eine ganze Nation, die genau das erwartet. Stuttgart muss kein Serienmeister sein, aber der VfB könnte ein Meister der Konstanz werden. Ein Team, das auf dem Weg ist, sich in der Region zwischen Platz eins und drei zu etablieren. Und das nicht nur mit eiserner Disziplin, sondern auch noch mit ansehnlichem Fußball.

Auf diese Weise ist der VfB zwar nicht heimlich, still und leise, aber doch unerwartet in der Tabelle nach oben geklettert. Wer hätte nach dem 1:5 vor dem Rückrundenstart gegen den FC Bayern im DFB-Pokal schon an diese Wendung geglaubt? Ich nicht. Doch dieses Spiel hat dem VfB mehr geholfen und den Bayern mehr geschadet, als man hätte vermuten können. Dass die Luft an der Tabellenspitze dünn ist, zeigt diese Saison – auf brutale Art und Weise. Auch der VfB bekommt das zu spüren. Dennoch: Trotz der verlorenen Punkte in Bielefeld – fit für die Höhenluft ist der VfB wieder. Und das ohne Alleinherrscher und steile Trainingshügel wie in Wolfsburg.

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