Marcel Reifs Kolumne : Tagebruch auf Schalke

Nie waren sich die Revierklubs Dortmund und Schalke fremder: Während die Borussia auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft ist, bricht Felix Magath beim Projekt Meistertitel auf Schalke mit allem, was man bisher vom Fußball wusste.

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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Suchen wir erst einmal das Positive. Positiv ist, dass die Borussia aus Dortmund nicht nur viel besser als Schalke ist, sondern auch viel besser als der Rest der Liga. So gesehen muss sich Schalke 04 nicht schämen, dass es vorgeführt worden ist, das passiert auch anderen bei der Borussia. Positiv ist auch, dass sie 0:0 gespielt haben gegen den Deutschen Meister. Das heißt, nicht sie haben remis gespielt, sondern er, Manuel Neuer, ohne den es zur Pause aus Schalker Sicht nicht 04, sondern 0:5 geheißen hätte. Und noch etwas steht auf der Haben-Seite, das hat Felix Magath selber hervorgehoben, er hat einen Transferüberschuss erwirtschaftet. Chapeau! Aber der ist in einer Höhe, dass man wohl besser von einer schwarzen Null sprechen kann als von einem Überschuss. Und wo ist der Plan?

Der Plan war, einen Umbruch zu vollziehen, um dann Deutscher Meister zu werden. Umbruch? Es ist wohl eher ein Bruch, den Magath auf Schalke vollzieht. Einen Bruch mit allem, was man bisher vom Fußball wusste. Die Borussia, ja, diese Mannschaft ist mit Verstand gebaut und zusammengestellt. Schalke, nein, da passt nichts zusammen, da ist keine schrittweise Verbesserung zu sehen, da bricht es Fußballromantikern das Herz, wenn sie Raúl herumirren sehen in dieser Gemengelage, die man nicht Mannschaft nennen kann. Und die nicht ein, wirklich nicht ein einziges Argument liefert, weswegen Neuer auf Schalke bleiben sollte.

Mag ja sein, dass Felix Magath mehr weiß, dass auf dem Planeten, auf dem er sich befindet, andere Gesetze gelten, mag sein, aber mir sind sie ein Rätsel. Und den Schalker Fans, die eben doch anders ticken, an denen begeht Magath seelische Grausamkeit. Man mag Schalke belächeln, mag sagen, dass die dort herrschende Kultur aus viel künstlicher Folklore besteht. Aber das ist eben nicht alles, sondern die Möglichkeit zur Identifikation auch noch eine Schalker Kultur. Magath vernachlässigt auch die. Und zwar mit dem Prinzip hire and fire, das nicht mal mehr der New Economy folgt, sondern mehr den frühindustriellen Manchester-Kapitalismus nachahmt.

Wo sind die Zeichen? Der Vorstandsvorsitzende Clemens Tönnies schweigt und weilt im Urlaub. Will das etwas sagen? Von Horst Heldt ist auch nichts zu hören, weswegen man zumindest vermuten kann, dass er nicht viel zu melden hat neben Felix Allmächtig. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, was passieren muss, wenn Magath mit dieser Methode am Ende Schalke zum Meister macht. Dann können wir alles, was wir an Wissen über dieses Spiel seit der Erfindung des Balles angehäuft haben, wegwerfen.

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