Marcel Reifs Kolumne : Van Gaal doch kein Fußballgott

Louis van Gaal hat in zehn Spielen sechs Systeme ausprobiert. Er hat Lahm von seiner linken Seite abgezogen und behandelt Gomez, als habe der erst gestern das Fußballspielen begonnen. Van Gaal wirkt noch sehr irdisch, meint Marcel Reif.

Marcel Reif
Marcel Reif
Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Der Louis van Gaal hat mal zu Beginn seines Engagements beim FC Bayern München gesagt, dass er wie ein warmer Mantel zum Klub passe. Und entspricht nicht sein Verständnis von Arroganz exakt dem bis zum Überdruss zitierten „Mir-san- mir“-Gen des FC Ruhmreich? Es war dieses Münchner Selbstverständnis ja auch ein Leben lang berechtigt. Gegen Arroganz, die aus der Kraft und dem Können kommt, ist nichts zu sagen. Allein, man würde jetzt gerne zur Sache kommen beim FC Bayern. Und die Münchner Sachen sind die selbstverständliche Meisterschaft, die internationale Reputation und die Dominanz. Aber wer geht noch in die Knie vor dem FC Bayern 2009? Nicht mal Girondins Bordeaux, ja, nicht einmal Eintracht Frankfurt.

Warum nicht? Vielleicht, weil van Gaal sein Selbstverständnis als Fußballgott noch nicht nachgewiesen hat. Er hat Spieler mitgebracht, Braafheid und Pranjic, die bislang noch nicht gezeigt haben, dass sie den Verein weiterbringen. Er hat Timoschtschuk übernommen, den er nicht wollte und den er genau das auch spüren lässt. Er behandelt Gomez, als habe der erst gestern das Fußballspielen begonnen, und verweigert ihm jeglichen Vorschuss. Er hat in zehn Spielen sechs Systeme ausprobiert, was schon orientierungslos wirkt. Er beordert Lahm auf die rechte Seite, wo Lahm ein braver Verteidiger ist, und zieht ihn ab von der linken Seite, wo Lahm ein überragender Weltklassespieler war. Und er lässt eine Abhängigkeit der Mannschaft von Ribéry zu, die fatal ist. Aber der Wundermann ist verletzt. Und was ist das für eine Kaderplanung, wenn die Indianer beim Husten des Häuptlings die Schweinegrippe bekommen?

Eine Handschrift? Ich kann sie nicht erkennen. Vielleicht liegt es an mir, weil ich, im Gegensatz zu van Gaal, den Fußball nicht erfunden habe. Sie war auch gestern gegen die galaktische Eintracht aus Frankfurt nicht zu sehen.

Mitte der zweiten Halbzeit kam Robben ins Spiel, einer der besten Außenstürmer der Welt. Wie überhaupt der Kader des FC Bayern vom Preis her nicht mehr weit von eben Real Madrid entfernt ist. Aber das erste Tor, das schoss die Eintracht aus Frankfurt. Könnte es sein, dass mit dem Ende der Ära des Managers Uli Hoeneß, der diesem Verein die Aura erschuf, dass mit seinem Wechsel von der Trainerbank auf die Haupttribüne auch die Ära des FC Bayern endet? Robben traf zum Ausgleich. Aber wirkte das nicht schon wie das letzte Aufbäumen eines verblassenden Mythos?

Kurz vor Schluss wechselte van Gaal Stürmer Toni aus und Innenverteidiger Demichelis ein. Beim Stand von 1:1. Zu Hause. Dadurch konnte van Buyten nach vorne und das Siegtor schießen. Ist das das neue System?

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