Marcel Reifs Kolumne : Warnschuss der Konzerne

Unser Kolumnist Marcel Reif beschäftigt sich im Zuge der Begegnung der beiden Werksvereine aus Leverkusen und Wolfsburg mit dem Warnschuss, den die beiden Konzerne in Bezug auf ihre Fußballabteilungen unter der Woche abgaben.

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Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.
Marcel Reif: TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Es gibt ja diese Mäzene, diese Gönner, die sich einen Fußballverein leisten, weil sie Spaß daran haben, weil sie ein Spielzeug haben wollen, weil sie große kleine Jungs sind. Roman Abramowitsch ist natürlich so einer, der spekuliert auch noch auf Rendite, Rod Stewart, der Popsänger, war auch mal so einer, wie auch dessen Kollege Elton John. Und vielleicht ist auch Dietmar Hopp so einer dieser großen kleinen Jungs, die zwar traurig sind, wenn ihr Spielzeug nicht mehr so richtig funktioniert, aber andererseits nicht sofort den Controller einschalten.

Die Volkswagen AG und die Bayer AG agieren anders. Die leisten sich ihre Fußballklubs, weil sie sich von ihnen einen Imagetransfer erhoffen. Deren Fußballvereine stellen wohl auch schon Fußballmannschaften ab, aber die sind eher Abteilungen des Marketingsegments. Ein 1:7 beim FC Barcelona ist eine miserable Performance der Marketingabteilung, nichts, was mal passieren kann, sondern etwas, was nicht passieren darf. Und die Volkswagen AG vermittelt von sich selbst auch ein anderes Bild als eines aus dem Mittelmaß.

Bislang hatte sich die Konzernleitung in Wolfsburg weitgehend rausgehalten aus dem sportlichen Betrieb, hatte diese Abteilung dem Mann überlassen, von dem sie glaubte und der von sich glaubt, dass er, um im Bild zu bleiben, das Rad erfunden hat, mindestens den Ball. Aber nun war ihnen dieses Rad wohl ein wenig zu eckig, weswegen der Konzern erstmals bei Felix Magath angefragt hat, ob denn ein Minimalziel wie das Erreichen der Europa League eventuell im Bereich des Möglichen ist.

Ein Warnschuss, wie er auch schon vor Jahren von der Bayer AG abgefeuert wurde, als der Ertrag des Sportdirektors Reiner Calmund nicht in Einklang zu bringen war mit dem Aufwand der AG. Haben sie ihn gehört? Gestern beim Treffen der beiden Konzerne in der Autostadt hatte man den Eindruck, dass die Leverkusener verstanden hatten, dass sich Repräsentanten des Konzerns nicht so lächerlich aufführen dürfen wie in Barcelona. Der Eindruck währte 15 Minuten. Dann durfte man den Eindruck bekommen, dass Felix Magath und die Seinen die Warnung verstanden haben. Sie gingen zumindest gestärkt und siegreich aus der Konferenz.

Aber was heißt das schon? Dass die VW AG wieder in der Spur ist? Und die Bayer AG sehr, sehr unzufrieden ist? Letzteres mit Sicherheit, Ersteres wohl erst, wenn der Controller Investition und Output in Einklang bringen kann. Dem ist noch nicht so. Mitunter lebt es sich mit schlichten Mäzenen besser.

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