Marcel Reifs Kolumne : Zweifel an Hoffenheim

TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist Marcel Reif drückt Hertha die Daumen, glaubt nicht an einen Meister Hoffenheim - und schon gar nicht an Schalker Chancen auf die Champions League.

Marcel Reif
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Marcel Reif. TV-Reporter und Tagesspiegel-Kolumnist.Foto: dpa

Nicht nur aus Berliner Sicht ist es schade, dass Hertha am Freitag den zumindest vorübergehenden Sprung an die Spitze verpasst hat. Jede Hilfe, sich gegen die drohende Langeweile zu stemmen, ist erwünscht. Denn mit Verlaub, und mit Anerkennung und mit Respekt und mit Hochachtung vor dem bisher Geleisteten, ich habe noch meine Zweifel, dass die TSG Hoffenheim trotz des späten Ausgleichs gestern genug Substanz und Potenz hat, dem FC Bayern München kurz-, mittel- und langfristig Widerstand entgegenzubringen.

Es bleibt dann noch der HSV, von dessen Kraft noch nicht klar ist, wie stabil sie ist, gestern war sie es nicht. Und Leverkusen, auf die man schon so oft und immer vergeblich Hoffnung gesetzt hat. Und die designierten Bayern-Jäger, die Selbsternannten, die Kronprinzen? Die haben gestern gegeneinander gespielt, Schalke versus Werder Bremen, und da spielte der Neunte gegen den Zehnten der Tabelle. Sie spielten über weite Strecken armselig. Was bloß ist geschehen, dass die Solidität (bei Werder) und das Gemüt (bei Schalke) abhanden gekommen sind? Mittelmaß sind die beiden derzeit nur noch, und das war doch mal anders geplant. Spitze sind sie nur noch in den Schlagzeilen, die produzieren sie en gros.

Werder weiß nicht mehr umzugehen mit seinem Diego und dessen Eskapaden und Wechselwünschen. Schalke scheint nicht mehr aus noch ein zu wissen vor lauter Wechselwünschen. Will überhaupt noch jemand bleiben bei S04? Trainer Rutten sollte Disziplin in die Mannschaft bringen, sollte aufräumen mit der Libertinage von Vorgänger Slomka. Und was ist? Asamoah fliegt im Pokal vom Platz, Jones auch und Engelaar fällt einmal auf in der Saison, allerdings ebenfalls wegen eines Platzverweises. Dabei sind sie in Gelsenkirchen aber auch so etwas von auf die Einnahmen in der Champions League angewiesen, die 20 Millionen Euro garantierter Einnahme nicht zu bekommen schafft auf Schalke so etwas wie Dortmunder Verhältnisse, also eine Katastrophe.

Champions League, oh Gott, ist die weit weg für Schalke 0Gazprom4, und hat sich auch gestern gegen Werder nicht genähert. Für Werder allerdings auch nicht. Könnte es sein, dass die jahrzehntelange stoische Haltung der Bremer auch den Mangel an kreativer Reibung mit sich brachte? Die Wahrheit liegt auf dem Platz? Sie war gestern auf Schalke zu besichtigen. Das Spiel war grauenvoll, es hatte keinen Sieger verdient.

P.S.: Sollte ich mich bei Hoffenheim geirrt haben, verspreche ich schon heute, am Ende der Saison Abbitte zu leisten.

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