Sport : Marcelinho, die Marke

Wie Hertha mit dem schwierigen Star für das neue Vereinstrikot wirbt

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Gestern, 13.50 Uhr, vor Karstadt Sport am Zoo. Ein weißer Lieferwagen rollt heran. Die Ladefläche fährt herunter, die Hintertür geht auf. Und wer steht im Wagen? Das Fußball-Bundesligateam von Hertha BSC. Über 500 Fans jubeln den Spielern zu, die nacheinander aus dem Auto springen. Als die Fans Herthas Star Marcelinho sehen, wird es richtig laut.

„Das lief spitze“, sagt Olaf Markhoff über die Werbeaktion für Herthas neues Trikot. Überhaupt ist der Konzernsprecher von Nike, dem Hersteller des Trikots, zufrieden mit der Zusammenarbeit mit Hertha. Die Probleme Marcelinhos würden dem Image des Konzerns wohl nicht schaden. „Jeder ist für sein Privatleben selbst verantwortlich“, sagt Markhoff. Und fügt einen interessanten Satz hinzu: „Natürlich freuen wir uns, wenn unsere Athleten auch außerhalb des Fußballplatzes ein gutes Bild abgeben.“ Denn das öffentliche Leben von Fußballstars wird genau beobachtet. So auch das von Marcelinho, der durch seltsame Aktionen schon häufiger negativ aufgefallen ist. Derzeit steht Herthas Mittelfeldspieler im Verdacht, vor knapp zwei Wochen einen Studenten in einer Disko in Brasilien verprügelt zu haben. Laut Berichten brasilianischer Zeitungen hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Marcelinho eingeleitet. Die Berliner Boulevardzeitungen thematisieren den Fall beinahe täglich, die BZ lichtete gestern das blutverschmierte Hemd des angeblichen Opfers und eine Anklageschrift gegen ihn ab.

Trotzdem sagt Markhoff: „Wir stehen zu unseren Athleten.“ Doch auch wenn er es nicht direkt sagen will – Marcelinhos Eskapaden sind schlecht für das Image von Hertha und damit auch für das der Sponsoren. Offiziell will das natürlich keiner bestätigen. Es ist eine schwierige Situation für den Fußball-Bundesligisten, der mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison steckt und heute am frühen Morgen ins Trainingslager nach Montafon in Österreich aufbricht. „Wir wollen uns auf das Sportliche konzentrieren“, sagt Trainer Falko Götz. Angesichts der Situation dürfte das aber nicht einfach sein. Der beste Spieler der vergangenen Saison, die Identifikationsfigur der Fans, hat wieder einmal große Probleme. „Wir reagieren nicht auf irgendwelche Geschichten“, sagt Manager Dieter Hoeneß. Marcelinho selbst beteuert seine Unschuld. Die BZ stellte Manager Hoeneß in ihrer Mittwoch-Ausgabe eine Frage: „Wie viele Beweise brauchen Sie noch, bevor sie erkennen, dass Marcello sie belügt?“ Darunter ist die angebliche Anklageschrift gegen Marcelinho abgedruckt.

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