Sport : Marcelinho ist gelandet

Herthas Star trifft mit achttägiger Verspätung ein

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Berlin - Es ist ein heißer Nachmittag am Flughafen Tegel, viele WM-Touristen verlassen die Hauptstadt, noch hängen überall die Fußbälle und Flaggen der WM-Teilnehmer. Die Flasche „WM-Sekt“ im Flughafen-Supermarkt ist auf 4,99 Euro herabgesetzt. Und Hans-Georg Felder, Pressesprecher von Hertha BSC, wartet auf einen seit acht Tagen überfälligen Arbeitnehmer seines Vereins.

Ursprünglich heißt es, Marcelo dos Santos Paraiba, genannt Marcelinho, komme um 14.10 Uhr mit Flug LH 966 aus Zürich an. Er ist nicht dabei. „Er kommt mit dem Flug aus München“, sagt Marcelinhos Berater Wolfgang Nothdurft schließlich auf Anfrage. Offenbar hat der Brasilianer, der am Montagabend um 19.55 Uhr in Recife abgeflogen und um 7.00 Uhr in Lissabon zwischengelandet ist, einen Anschlussflug verpasst. Jetzt fliege er über München nach Berlin. Doch kommt er wirklich? Oder geht die Posse weiter, die der launische Fußballprofi nun schon seit Tagen mit seinem Arbeitgeber veranstaltet? 15.35 Uhr oder vielleicht auch erst 16.55 Uhr heißt es nun, und das nun schon achttägige Warten geht weiter.

Die Maschine LH 222 aus München landet schon um 15.21 Uhr. Marcelinho kommt 14 Minuten zu früh zu spät, gemeinsam mit seinem Begleiter und Anwalt Afonso Vilar. Ein wenig unsicher wirkt er. „Fahre erst zu Dieter, sage morgen, wie weiter“, sagt er. Hans-Georg Felder lädt die beiden Ankömmlinge in einen schwarzen Mercedes und fährt in die Geschäftsstelle des Vereins. Manager Dieter Hoeneß wartet, Vertreter der Medien sind unerwünscht auf dem Hertha-Gelände.

Rund 90 Minuten reden Marcelinho und Hoeneß miteinander. „Marcelinho unternahm einige Erklärungsversuche“, sagt Hoeneß später. „Ein immer noch anhängiges Gerichtsverfahren wegen seiner angeblichen Prügelei, Schwierigkeiten mit den Flügen und so weiter. Aber akzeptable Begründungen oder Entschuldigungen waren das nicht.“

Zehn Tage lang hatte Marcelinho sich nicht einmal bei seinem Verein gemeldet. „Wir mussten versuchen, jemanden zu erreichen der Kontakt zu ihm hat. Die Strafe wird empfindlich sein“, sagte Hoeneß, der sich mit Marcelinho darauf geeinigt hat, in den nächsten Tagen mit zwei seiner insgesamt sieben Berater zu verhandeln. Worüber genau gesprochen werden soll, scheint offen.

Sicher ist erst einmal nur, dass Marcelinho heute ins Trainingslager nach Bad Waltersdorf in Österreich fliegt, wo sich die Mannschaft seit Montag ohne Marcelinho auf die Saison vorbereitet. „Arbeitsrechtlich muss er ja mittrainieren“, sagt Hoeneß. Und: „Spieler, die sich ins selbst ins Abseits stellen, sind draußen. Ein Recht zu spielen hat er ja nicht.“ Wie es weitergeht, darüber spricht Hoeneß nun mit Marcelinhos Beratern. klapp/SB

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